Immer sind es die paar Gläser zuviel, die dich lustig und mich traurig machen. Ich spüre, daß das langsam einen Keil zwischen uns treibt. Ich schau auf die anderen Männer, die das nicht brauchen und wünsche mir, du wärst so. Die Zukunft macht mir Angst. Wir brauchen dich, ich und die Kinder!Ich kann dich nur lieben, wenn die Achtung vor dir nicht verloren geht. So habe ich mir das gemeinsame Älterwerden nicht vorgestellt. In diesen Zeilen hat eine Frau ihren Kummer über das Alkoholproblem ihres Mannes ausgedrückt. Die Tragik dabei ist, daß anscheinend vor allem die Frau das Problem erkennt und darunter leidet. Der Mann spielt es herunter oder schiebt es weg. Der überall gesellschaftsfähige Alkohol erleichtert ihm dies. Die Partnerin erlebt dabei, daß sie nichts ändern kann. Ermahnungen, Kritik, Vorwürfe, ins Gewissen reden bringen meist nichts. Es verschlimmert eher die Situation. Was kann eine Frau tatsächlich tun?Der erste und schwierigste Schritt – so banal es klingt – ist, sich selbst einzugestehen, daß der Mann die Verantwortung für sein „über den Durst trinken“ hat, auch wenn er selbst oder Außenstehende diese der Frau in die Schuhe schieben möchten. Ein erfolgter Führerscheinverlust, die Gefährdung des Arbeitsplatzes oder wirkliche Angst um eine Partnerbeziehung, die dem Betreffenden selbst tatsächlich weh tun, sind leider manchmal notwendig, damit er sein Alkoholproblem eingesteht und Schritte zur Bekämpfung unternimmt.