Abigail ist die Frau des Nabal, eines reichen Viehzüchters. Zur Zeit der Schafschur veranstaltet auch Nabal ein Fest. David, der mit seinen Gefolgsleuten in der Steppe umherzieht, hört davon, und schickt zehn seiner Leute zu Nabal. Er fordert Tribut dafür, daß Nabals Herden mit ihm umhergezogen und so seinen Schutz genossen haben. Nabal jedoch weigert sich, verhöhnt David als einen seinem Herrn – dem König Saul – entlaufenen Knecht, was ja auch stimmte. David wird wütend, schwört, blutige Rache zu nehmen.Abigail erfährt von einem der Knechte ihres Mannes, was geschehen ist. Sie sieht das drohende Unheil und handelt, packt alle möglichen Geschenke, Brote, Wein, Schafe, Korn, Trauben- und Feigenkuchen auf Esel und reitet David entgegen. Nicht nur Nabal, auch David ist in dieser Erzählung roh und gewaltbereit: dies und das möge Gott mir antun, wenn ich von allem, was Nabal gehört, bis zum Morgengrauen auch nur einen übriglasse, der an die Wand pißt, so redet er sich in Rage. Abigail trifft auf David, fällt ihm zu Füßen und bittet, daß er hören möge, was sie sagen will. Kernpunkt der langen Rede Abigails ist, daß David, der künftige König, nicht wegen dieser Sache Blutschuld auf sich laden solle. David erkennt das Unrecht seiner Pläne: wie kann er als König Recht schaffen wollen, gegen Selbsthilfe und Blutrache vorgehen, wenn er das Haus Nabals anzündete und mordete, weil er beleidigt worden war . . . David sieht in Abigail eine von Gott gesandte Prophetin, die ihn zurückhält, Böses zu tun. Er entbietet Abigail den Friedensgruß und sie kehrt zurück in ihr Haus. 1 Sam 25, 1–44 ist die Geschichte einer beherzt handelnden Frau, wie es sie in der Zeit des Erzählers und seiner ZuhörerInnen gegeben haben muß, soll die Verhaltensweise Abigails glaubwürdig sein. Die Erzählung gibt aber auch einen Teil der Diskussion um das Königtum in Israel wieder. Sie beginnt mit dem Hinweis auf auf den Richter und Propheten Samuel, der David zum König salbte, und legt die entscheidenden Sätze in dem Mund einer Frau – und das nicht zufällig.Brigitte Huemer