1999 ist das internationale Jahr der älteren Menschen
Ausgabe: 1999/02, Alter/n
13.01.1999
- Matthäus Fellinger
1,6 Millionen Österreicher sind über 60 Jahre alt. Älterwerden ist kein Grund zum Lamentieren über Falten und Nachlassen der Kräfte, es ist ein Geschenk und eine spannende Herausforderung – jeden Tag von neuem. Mitverantwortung ist die Leitlinie des heurigen internationalen Jahres der älteren Menschen. Dieses steht unter dem Motto: Platz, Aufgaben und Anerkennung für jedes Lebensalter. Am Ende unseres Jahrhunderts beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung um 20 Jahre mehr als noch vor einigen Generationen. Da der Anteil der über 65jährigen weiter wachsen wird, kann man von einer „grauen Power” sprechen. Laut Tiefenpsychologie wird das Alter nach folgenden Phasen differenziert: 60 bis 75 Jahre sind junge alte Menschen, 75 bis 85 Jahre mittlere alte Menschen und ab 85jährige sind alte alte Menschen. Trotz dieser Einteilung haben wir es nicht mit einer homogenen älteren Gruppe zu tun, sondern mit unterschiedlich geprägten älteren Menschen und verschiedenen Verhaltensmustern, die sich nicht dem kalendarischen Alter zuordnen lassen. Und es kann durchaus sein, daß auch 90jährige noch unter den Begriff der jungen Alten fallen. Alte Menschen bewegen sich in einem breiten Spektrum zwischen Versorgtwerden und eigeninitiativer geistiger und körperlicher Fitness. Mit letzterem anzufangen ist es nie zu spät. Es gibt bewundernswerte Vorbilder, etwa die ehemalige Wiener Vizebürgermeisterin Gertrude Fröhlich-Sandner. Ihr Motto heißt: „Aktiv und neugierig bleiben!” Um nicht abseits zu stehen, strengt sie ihre Gehirnwindungen immer wieder stark an. Sie ist zum Beispiel am Computergeschehen unserer Zeit sehr interessiert und nutzt das Internet. Im dritten Lebensabschnitt liegen ungeheure Potentiale, nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für Kultur und Wissenschaft. Etwa jeder dritte über 59jährige ist ehrenamtlich tätig. Damit das Alter gelingen kann, ist ein konkreter Fragenkatalog eine Hilfe: - Wie möchte ich die nächsten Jahre leben? Was soll der Hauptinhalt meines Alters sein? - Wo und wie möchte ich auf Dauer wohnen: allein oder mit anderen? - Was wollte ich schon immer lernen oder kennenlernen? Welche Möglichkeiten habe ich dafür, zum Beispiel durch Reisen, oder für Hobbies und Kurse in nächster Nähe? - Was muß und will ich für die Gesundheit tun? - Wo werde ich gebraucht, und wo stehe ich im Wege? Ein sinnvolles Motto für jedes Lebensalter, besonders aber für Senioren: Sich durch alles anregen, aber durch nichts aufregen lassen.