Wann kommen Dritte Welt-Rosen mit Sozialstandards nach Österreich?
Ausgabe: 1999/06, faire Rosen, Zimbabwe
23.02.1999
- Walter Achleitner
Mit „fairen“ Rosen aus Simbabwe beweist eine Supermarktkette in der Schweiz, daß gerechte Arbeitsbedingungen für Blumenarbeiterinnen möglich sind. Österreichs Blumenimporteure sind noch zurückhaltend.Dieser 14. Februar wird nicht nur der letzte Valentinstag dieses Jahrtausends sein, sondern auch der letzte, an dem in heimischen Blumengeschäften noch keine „fairen“ Blumen erhältlich sind. Denn geht es nach Emil Steffek, dem Bundesvorstand der Blumenimporteure, dann sollten auch in Österreich schon bald Rosen erhältlich sein, die mit einem Gütesiegel für Sozialstandards in der Blumenproduktion ausgezeichnet sind. „Wenn in Deutschland das Geschäft gut anläuft, dann geht es blitzschnell bei uns“, meint Steffek im Gespräch mit der Kirchenzeitung. Vorreiterin SchweizHenning Möller in der Düsseldorfer Zentrale der Blumenimporteure gibt sich zuversichtlich: „Bis zum Muttertag werden wir es schaffen.“ Und Möller hofft, daß sich Österreich und Schweden diesem Pilotprojekt anschließen: „Denn sie werden sehen, daß die Konsumenten alternative Rosen annehmen werden.“ Daß sich Rosen mit dem „Garantiert unter sozial und umweltverträglichen Bedingungen produziert“-Etikett gut verkaufen, beweist die Supermarktkette Migros, die bereits jede dritte Schnittblume in der Schweiz verkauft. Seit November 1998 importiert der Konzern wöchentlich rund 150.000 Rosen direkt aus Simbabwe. Zuvor hatten eine Vertreterin der Internationalen Landarbeitergewerkschaft, ein Chemiker sowie Frank Braßel von der Menschenrechtsorganisation FIAN die Betriebe im aufstrebenden Blumenexportland (jährlich +20%) unter die Lupe genommen. Verträge für FrauenDrei von 20 Betrieben im CargoPark, nahe der Hauptstadt Harare, erfüllten die Standards. In der Zwischenzeit hätten, so Braßel, alle anderen Firmen sozial nachgebessert: die wöchentliche Arbeitszeit von den erlaubten 51 auf ein internationales Maximum von 48 Stunden gesenkt; Festverträge für weibliche Beschäftigte; bezahlter Mutterschutz; verbesserte Schutzkleidung. Darüber hinaus werden die MitarbeiterInnen in der Anwendung von Pestiziden außerhalb der Betriebe geschult.48 Stunden frischerBeeindruckt zeigte sich Braßel gegenüber der Kirchenzeitung auch von der Umsetzung früherer Verhandlungsergebnisse mit den weißen Managern: „Für die ausnahmslos schwarzen Arbeiterinnen und Arbeiter wurden die kostenlosen Wohnhäuser modernisiert, die soziale Infrastruktur auf den Farmen ausgebaut.“Mit ihren Sozialstandards hoffen Simbabwes Blumenproduzenten, ihre Marktchancen zu verbessern. Denn Rosen aus dem CargoPark sind gegenwärtig die einzigen „Dritte Welt“-Blumen, die diese Mindeststandards erfüllen. Gespräche mit Produzenten in Kenia und Ecuador laufen. Direktimport bedeutet aber nicht nur, daß die „fairen“ Rosen um bis zu 48 Stunden frischer sind als jene, die über Blumenbörsen in den Niederlanden gehandelt werden. Es entfallen auch die Börsekosten (rund 1,1 Schilling pro Stiel), die höher sind als die Entstehungskosten in Simbabwe (weniger als 70 Groschen).Kleine Geste – große BedeutungDie Legende berichtet von Valentin: Allen, die an seinem Garten vorbeikamen, habe der Bischof ein paar Blumen mitgegeben. Den letzten Blumengruß vor seinem Märtyrertod im Jahre 268/269 soll er der Tochter seines Kerkermeisters geschenkt haben: einem blinden Mädchen, dem er das Augenlicht wiedergeben konnte. Doch den Brauch, an diesem Tag mit Blumen die Liebe auszudrücken, gibt es schon länger als den Gedenktag des Heiligen. Im alten Rom wurde am 14. Februar der Göttin Juno gedacht, der Schützerin von Ehe und Familie; den Frauen in den Familien galt an diesem Tag der Blumengruß.In Kolumbien, Ecuador, Simbabwe oder Indien zum Beispiel arbeiten Frauen, damit Österreich 102 Millionen Stück Rosen im Jahr importieren kann. Die Arbeitsbedingungen in den weltweiten Gärten sind alles andere als sozial. Doch für den Handel sind Alternativen erst interessant, wenn sich die „gerechten“ Rosen lohnen. Was wäre, wenn Sie beim nächsten Blumenkauf an diese Frauen und ihre Familien denken? Denn sie sorgen dafür, daß ein Blumenstrauß im Winter den Frühling in unsere Häuser bringt. Fragen Sie doch im Geschäft, wann endlich „faire“ Rosen erhältlich sind. Damit sagen Sie den Frauen und ihren Familien: Ihr seid mir wichtig!, und schenken so eine kleine Geste, mit großer Bedeutung.