Ein mutiger Mann: EU-Finanzprüfer Paul van Buitenen.
Ausgabe: 1999/06, EU-Finanzprüfer Paul van Buitenen
23.02.1999
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Am Dienstag letzter Woche hat der sogenannte „Weisenrat“ in Brüssel seine Tätigkeit aufgenommen. Er wurde auf massiven Druck des Europäischen Parlamentes eingesetzt, um die Vorwürfe von Korruption, Verschwendung, Mißwirtschaft und Vetternbegünstigung innerhalb der Europäischen Kommission aufzuklären. Eine wichtige Rolle für diese Entscheidung spielte der holländische EU-Beamte Paul van Buitenen. Nachdem die Kommission monatelang nicht auf die internen Berichte des Finanzprüfers über Mißstände reagiert hatte, gab er einen Teil seiner Dokumente an Abgeordnete des Parlaments weiter. Er habe damit gegen die „Dienstpflicht“ verstoßen, er habe aber in seinem Gewissen lange gerungen und keinen anderen Ausweg mehr gesehen, sagte Buitenen in einem berührenden Fernsehgespräch. Ohne Details auszuplaudern, habe er über seine Gewissensnot auch ein sehr eingehendes Gespräch mit seinem Pfarrer gehabt, um sicherzugehen, daß er bei diesem Schritt wirklich aus selbstlosen ethischen Motiven und nicht aus Profilierungsstreben handle, sagte Buitenen. Die EU-Kommission hat ihn am 4. Jänner vom Dienst suspendiert. Sein „Vergehen“: er ist seinem Gewissen gefolgt und hat – entgegen weitverbreiteter Gepflogenheiten – belastendes Material nicht an Journalisten weitergegeben, sondern an Mitglieder des EU-Parlaments, das für die ordnungsgemäße Verwendung der Gelder mitverantwortlich ist.