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Christlichen Glauben feiern ohne Abwertung Israels

Karwoche und Ostern im Geiste christlich-jügischen Dialogs feiern
Ausgabe: 1999/07, Serie 6
23.02.1999
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Ein Lokalpolitiker, der von Journalisten auf antijüdische Aussagen angesprochen wurde, rechtfertigte sich damit, daß er schon als Ministrant durch die Mitfeier der Karwoche zu einer antijüdischen Einstellung gekommen sei. Sicher kann durch ein oberflächliches Hören der Passionsgeschichten, die an Palmsonntag und Karfreitag im Gottesdienst gelesen werden, der Eindruck entstehen, das ganze jüdische Volk habe die Kreuzigung Jesu verlangt. Wer genau hinhört, nimmt aber auch Stellen wahr, wie jene in der Lazaruserzählung: „Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn“ (Joh 11, 45). Allerdings muß man zugeben, daß im Johannesevangelium „die Juden“ sehr verallgemeinernd als die Gegner Jesu dastehen. Deswegen dürfen die Juden von damals nicht in die Rolle von „Buhmännern und Feindbildern gedrängt werden“ ( Josef Blank). Um Verstehen bemühenDie ökumenische Bibelübersetzung „Gute Nachricht“, der es vor allem um ein gutes Verständnis der biblischen Aussagen geht, führt in den Passionserzählungen bei Johannes an Stelle von „die Juden“ die Formulierung „die führenden Priester“ ein. Mit diesem Versuch ist man mit dem 2. Vatikanischen Konzil konform, das in seiner Judenerklärung feststellt, daß man die Ereignisse des Leidens Jesu „weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied, noch den heutigen Juden zur Last legen kann“. Es waren führende Kreise, die auf die Hinrichtung Jesu hingearbeitet haben. Zur Zeit der Abfassung des Johannesevangeliums gab es außerdem ein gespanntes Verhältnis zwischen Christen und Juden, da der jüdische Glaube als zugelassene Religion im Römischen Reich gestattet war, nicht aber der christliche Glaube. In einer Einführung oder in der Predigt müßte im Hinblick auf immer noch bestehende antijüdische Auffassungen der Gesamtblick gegeben werden. Eine Dramatisierung der Passionsgeschichten durch verteilte Rollen oder gar durch Chöre können diesen unerwünschten Effekt erzeugen. Es ist daher besser, die Passion abschnittsweise von verschiedenen Lektoren lesen zu lassen.Werden die „Improprien“ (Gotteslob 206) am Karfreitag während der Kreuzverehrung gesungen, bedürfen sie einer Erklärung: Nicht nur das Volk Israel ist mit den Vorwürfen gemeint, sondern auch das Gottesvolk der Christen. Man kann statt der Improprien ein anderes Lied singen, z. B. „Heil’ges Kreuz, sei hoch verehret“ oder „Im Kreuz ist Heil“ (GL 205), oder das schon österlich klingende „Dein Kreuz, oh Herr, verehren wir“, das im Meßbuch (und auch im Schott) enthalten ist. Kernaussagen sehenWährend der Osternachtfeier rief einmal ein Kind: „Die armen Pferde!“, als es die Worte aus der 3. Lesung (Exodus 14) hörte: „Rosse und Wagen warf er ins Meer“. Mit erklärenden Worten ist darauf hinzuweisen, was die Kernaussage der Erzählung ist: Gott ist nicht auf Seite der Mächtigen, sondern auf Seite der Armen und Sklaven. Er ist der Rettergott, der befreiende Gott. Dieses Urerlebnis läßt auch uns heute verstehen, was Ostern bedeutet.Dr. Norbert W. Höslinger, Leiter des Katholischen Bibelwerks in KlosterneuburgZum Weiterlesen: Laurenz Volken, Jesus, der Jude, Patmos Verlag.„Bewahre sie in der Treue zu seinem Bund“Die „Großen Fürbitten“, Teil der Liturgie des Karfreitags, enthalten unter anderen auch die Fürbitte „Für die Juden“ (Nr. 6).Der Text dieser Fürbitte lautete vor der Abänderung im Jahr 1959 durch den damaligen Papst Johannes XXIII.: „Lasset uns auch beten für die treulosen Juden: Gott, unser Herr, möge den Schleier von ihren Herzen wegnehmen auf daß auch sie unseren Herrn Jesus Christus erkennen.“(Zwischenbemerkung: Hier unterläßt der Diakon die Aufforderung zur Kniebeugung, um nicht das Andenken an die Schmach zu erneuern, mit der die Juden um diese Stunde den Heiland durch Kniebeugungen verhöhnten.)„Allmächtiger ewiger Gott, du schließest sogar die treulosen Juden von deiner Erbarmung nicht aus; erhöre unsere Gebete, die wir ob der Verblendung jenes Volkes vor dich bringen: Möchten sie das Licht deiner Wahrheit, welches Christus ist, erkennen und ihrer Finsternis entrissen werden. Durch ihn, unseren Herrn. Amen.“Die Fürbitte für die Juden im Sinne von Papst Johannes XXIII., der das Wort „treulos“ bei der Liturgiefeier ausließ (in der Neuordnung der Liturgie von 1966):„Laßt uns auch beten für die Juden, zu denen Gott, unser Herr, zuerst gesprochen hat: Er bewahre sie in der Treue zu seinem Bund und in der Liebe zu seinem Namen, damit sie das Ziel erreichen, zu dem sein Ratschluß sie führen will.“(Beuget die Knie – Stille – erhebet euch.) „Allmächtiger, ewiger Gott, du hast Abraham und seinen Kindern deine Verheißung gegeben. Erhöre das Gebet deiner Kirche für das Volk, das du als erstes zu deinem Eigentum erwählt hast: Gib, daß es zur Fülle der Erlösung gelangt. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.“
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