Berge spielen in der Bibel eine wichtige Rolle. Wer in den Bergen unterwegs ist, kennt die schönen und die harten Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt, um einen Gipfel zu erreichen – ich selber tue es gerne im Winter mit den Tourenskiern. Schweiß und Mühen sind vergessen, wenn man die Weite der Umgebung genießen kann und bei einer gemütlichen Jause Hunger und Durst stillt. In der Bibel ist der Berg oft Ort der Stille, des Zurückziehens, um sich und Gott zu begegnen. Im Evangelium kommt der Berg in Zusammenhang mit den „Versuchungen“ vor, denen Jesus durch – wie es heißt – den Teufel ausgesetzt ist. Matthäus stellt diesen Abschnitt an den Beginn des Wirkens Jesu: Damit will er Weichenstellungen für den weiteren Weg Jesu herausstreichen. Das Wort „Versuchung“ wirkt heute eher befremdend; dennoch kennen wir Situationen, die uns herausfordern, die Probe oder Prüfung sind, die wir als Vereinnahmung, Verführung oder Anfechtung wahrnehmen. Unter diesen vielen Worten gefällt mir Herausforderung am besten. Ich meine damit die Spannung zwischen dem einer „Versuchung“ Ausgesetzt-Sein und meinem bewußten Dagegen-Steuern. Höhenrausch Drei Herausforderungen werden im Evangelium genannt: Erstens die Herausforderung, die gesamte Menschheit beglücken zu wollen. Aus Steinen soll Brot werden. Es ist gut, daß wir in den Notsituationen unserer Welt helfen. Eine Grenze jedoch überschreiten wir, wenn wir meinen, daß wir unentbehrlich sind oder alles machen können. Ich erlebe dies immer wieder im Einsatz für die Eine Welt, in der Frage von genügend Ausbildungsplätzen für Lehrlinge, in der Sorge um einen sinnvollen Haftvollzug.Zweitens – „Stürze dich hinab!“ – die Herausforderung die religiöse Suche der Menschen durch eine „Supershow“ – anscheinend kann man so die meisten Menschen ansprechen – auf die Kirche zu lenken, Gott sozusagen in einer Show vorzuführen. Bei aller Sorge um die Zukunft der Kirche kann dies kein geeigneter Weg sein. Den Weg Jesu von damals in unsere Zeit zu übersetzen, verständlich und lebbar zu machen, bleibt ein ständiger Prozeß.Drittens die Herausforderung der Macht und des Besitzes: Ich setze also auf das, was mich in meiner Karriere, in meinem Ansehen weiterbringt, und ich will möglichst alles im Griff haben. Davor ist auch die Kirche nicht gefeit. Je mehr ich loslassen kann, desto eher werde ich in der Spannung zwischen Haben und Sein meinen persönlichen Weg finden.In das Tal zurückgehenZusammengefaßt und auf das Bild bezogen läßt sich sagen: Wir brauchen im Leben immer wieder Gipfelerlebnisse, die uns die Weite der Welt in uns und um uns, und letztlich Gott selber erahnen lassen. Beim Gipfelerlebnis allein kann es nie bleiben. Der Weg ins Tal zu den Herausforderungen und Spannungen des Lebens bleibt uns nicht erspart. Im bewußten gemeinsamen Gehen dieser Wege werden wir wie Jesus unseren persönlichen Glaubens– und Lebensweg finden.