Spiele im Trend - kitschige und schöne, erbauliche und brutale
Ausgabe: 1999/07, Spiel
23.02.1999
- Ernst Gansinger
Die Nürnberger Spielwarenmesse ist 50 Jahre alt. Vom 4. bis 10. Februar präsentierten heuer 2.800 Aussteller ihre Waren; sie kamen aus 53 Nationen.145.000 Quadratmeter – eine Fläche wie zwei Fußballfelder – voll mit Spielen und Spielzeug! Da würden Kinderaugen leuchten, aber die Spielwaren-Messe ist Händlern vorbehalten.Welche Spiele kommen demnächst auf den Markt? – Es gibt keinen einheitlichen Trend. Einerseits fallen die langen Hallenstraßen auf, in denen vor allem fernöstliche Firmen sehr viel Plastikspielzeug anbieten – Figuren über Figuren, häßliche Kämpfer und biblische Gestalten sind Nachbarn. – Soviel Plastik, wieviel Müll wird das werden!Vergeßt das Plastik!Andererseits pflegen viele Firmen das schöne Spiel: prachtvolle Schachspiele z. B., kunstvoll gefertigte Holzspiele. Das Auge ist versöhnt, denn es kann sich sattsehen an Spielzeugen aus Naturmaterialien. Ein großes Angebot an guten Brettspielen läßt die Plastikflut vergessen. Menschen drängen sich bei den Ständen großer Firmen, Ravensburger, Schmidt oder Piatnik etwa. Der Spielefreak schaut bei Hans im Glück, Goldsieber, Abacus, Amigo, Kosmos oder beim Rosengarten-Verlag vorbei, bei Spiele-Verlagen also, die die Spielszene in den letzten Jahren ganz schön belebten. Bei Kosmos nehmen die Experimentierkästen (Physik, Elektronik, Chemie, Biologie, Astronomie, Natur) immer mehr Platz ein, und etliche „Siedler“-Neuheiten stehen schon in den Startlöchern. Auch Amigo setzt zum Teil auf Erweiterungen, so will man mit „Elfengold“ den Erfolg von „Elfenland“ in die Verlängerung schicken. Der Verlag Rosengarten, Hamburg, benötigt keine große Koje, schließlich handelt man mit klein verpackten Spielen. Eines davon ist „Ligretto“, das schon zwei Millionen begeisterte Fans hat – die den gewissen Streß-Kick beim Spielen lieben. Auch beim „Hans im Glück“-Stand werden fleißig Neuheiten probe-gespielt, unter anderem „Klunker“, ein taktisches Spiel, das entfernt an Quartettspiele und „Adel verpflichtet“ erinnert. Bei Schmidt wird das „Gipf“-Projekt um ein neues spannendes Strategiespiel erweitert, „Tamsk“ genannt. Sonst steht bei Schmidt vieles im Zeichen von „85 Jahre ,Mensch ärgere dich nicht‘ “. Eine Neuheit kann man bei Ravensburger erfahren: Der Verlag wird die „Siedler von Catan“-Computerfassung herausbringen. (Das derzeit im Handel befindliche „Siedler III“ hat nichts mit dem „Siedler-Spiel“ zu tun.)Den Abstecher zu den Video-Spielen hätte ich mir lieber sparen sollen. Hier geht es vor allem laut und gewaltsam zu. Welche Einstellung zur Gewalt vermitteln solche Videospiele?Abgesehen vom Plastik-Ramsch und diesen gewaltvollen Videospielen macht Nürnberg Appetit auf Kommendes: Gute Spiele sind nicht rar!