Kritik am Umgang des Österreichischen Fernsehens mit Gewalt-Sendungen äußerte die katholische Publizistin und langjährige Hörer- und Sehervertreterin im ORF, Ingeborg Schödl. Als „Augenauswischerei“ hat die scheidende Vorsitzende des Programm-Ausschusses der Hörer- und Seher-Vertretung (HSV) im ORF, Ingeborg Schödl, die Kennzeichnung von TV-Sendungen zum Schutz von Jugendlichen bezeichnet. Seit Jänner signalisiert ein „X“ neben dem ORF-Logo Sendungen, die nicht für Kinder geeignet sind. Ein „0“ auf dem Bildschirm bedeutet, daß die Sendung nur für Erwachsene geeignet ist. Die Kennzeichnung wird aber nur für Sendungen ab 22 Uhr angewandt, was Schödl für einen schlechten „Witz“ hält: In Familien, wo Kinder länger als bis 22 Uhr vor dem TV-Gerät sitzen dürfen, werde man auch mit der Kennzeichnung nicht allzu viel ausrichten. Hingegen finde in der Zeit, in der die meisten Kinder vor dem TV-Schirm sitzen, Gewalt weiterhin ohne jede warnende Kennzeichnung statt.Auch die Referentin für Rundfunk im Medienbüro der Österreichischen Bischofskonferenz, Christiane Luftensteiner-Höllrigl, kann der ORF-Kennzeichnung nur wenig abgewinnen. Sie nannte als Beispiel den Film „James Bond 007 – Goldeneye“, der trotz „sinnloser, aus der Handlung kaum nachvollziehbarer Härten“ vom ORF um 20.15 Uhr – und damit ohne jede Kennzeichnung – ausgestrahlt wurde. Gewalt verharmlostKirche im Blick der MedienDas vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägte Selbstverständnis der katholischen Kirche als Gemeinschaft des Volkes Gottes findet in den Medien weithin keinen Niederschlag. Laut dem Pastoraltheologen Paul Zulehner herrscht immer noch das verengte Bild einer Kirche der Amtsträger vor: „Die Kirchenwahrnehmung besteht über Jahre hinweg in Österreich aus drei Bischöfen und ein paar Themen: Ein Lieblingsmotiv ist die Sexualität, ein anderes ist Autorität oder Illiberalität“, berichtete Zulehner über die Ergebnisse einer Diplomarbeit. Als Antwort auf diese Lage empfiehlt Zulehner eine Verbesserung der Kontakte zu Medienleuten, Ausbildungsangebote für Journalisten und die Modernisierung der kircheneigenen Medien. Luftensteiner-Höllrigl kritisierte auch, daß die zunehmend gewaltorientierte Krimi-Serie „Kommissar Rex“ vom ORF mit Stofftieren und Kinderbüchern ganz bewußt bei Kindern vermarktet und beworben wird. Für Ingeborg Schödl sind die Kennzeichnung von Sendungen oder der ebenfalls diskutierte Anti-Gewalt-Chip zum Aussperren von Kindern von bestimmten Sendungen „Alibiaktionen“, mit denen sich die Fernsehanstalten abputzen. Da werde zu Zeiten, wo Kinder und Jugendliche vor dem Fernseher sitzen, für nachfolgende Filme massiv geworben, die Eltern dürfen dann aber die Fernsehwünsche ihrer Sprößlinge alleine ausbaden. Eine Mutter sagte dazu einmal: „Das ist so, wie wenn man einem Kind ein Schnitzel mit Pommes oder einen Burger auf den Tisch stellt und dann schickt man es hungrig weg.“ Die Gewalt im TV gehe, so Schödl, die gesamte Gesellschaft etwas an, und niemand könne sich vor seiner Verantwortung durch derartige Scheinmanöver drücken. Zu hinterfragen wäre auch, ob „denn Gewalt für Erwachsene so gut ist“. Sie halte es grundsätzlich für problematisch, Gewalt als „Mittel zur Unterhaltung“ einzusetzen. Darüber müsse in der gesamten Gesellschaft diskutiert werden – „ohne daß man einander den Schwarzen Peter zuspielt“. Wer sich einen Geschmack davon machen will, wie sehr auch der ORF auf dem Gewaltklavier mitspielt, der sollte sich den Trailer (Vorschau) über das Märzfilmangebot einmal genauer anschauen - ein „hartes“ Menue!