Kinder und ERwachsene erleben biblische und andere Geschichten neu
Ausgabe: 1999/11, Biblische Geschichten
16.03.1999
- Kerstin Kordovsky -Schwob
„Von dieser Lebensfreude und dem gemeinsamen Tun und Entdecken können wir viel für unsere Familie mitnehmen“ so ein Vater, der mit seinen Kindern ein Seminar mit dem bekannten Religionspädagogen Franz Kett mitmachte. Dieser Name bürgt für Qualität unter Religionslehrern und Kindergartenpädagogen. Versteht es Kett doch auf eindrucksvolle Weise, Geschichten durch bildhafte und symbolische Erschließung tiefen Sinn zu geben. Wie er diese erarbeitet, demonstrierte er anschaulich mit rund 60 Kindern der über 200 Teilnehmer/innen eines Seminars im Salzburger Bildungshaus St. Virgil. Geschichten, die vom Leben erzählen, sind Geschichten, die Kindern Lebenswissen vermitteln, die Einsicht in religiöse Wahrheiten ermöglichen und soziale Werthaltungen weitergeben. Solche Geschichten brauchen wir nicht lang zu suchen, die Bibel ist voll von ihnen, ebenso stecken sie in Legendensammlungen, in unseren alten Märchenbüchern, ebenso wie in Märchenbüchern unserer Zeit. Kett erzählt fesselnd, läßt die Kinder mitsprechen, untermalt seinen Vortrag musikalisch und stellt mit einfachen Mitteln Szenen des Erzählten dar und läßt darstellen.So wird etwa der Weg des Riesen Reprobus, der zum Christophorus wird, in vier Szenen aufgebaut, die in einem Kreis mit Tüchern, Holzstücken, Körben, Ketten und anderen Materialien dargestellt werden. Eine Gruppe baut das Schloß des Königs, dem der Riese dient, eine andere stellt den Ort des Bösen mit Ketten und zerrissenen lila und roten Tüchern dar, während die dritte Gruppe die Hütte des Einsiedlers mit einem Korb, einem Tuch, einer Ikone und einer Bibel gestaltet, die vierte Gruppe legt mit blauen Tüchern den Fluß aus, über den der Heilige das Christuskind trägt. So wird die Heiligenlegende zur lebendigen Geschichte, die Kinder gehen den Weg eines Menschen mit, der das Böse kennengelernt hat und auch das Gute, der auf der Suche nach Sinn in seinem Leben war und einen gefunden hat. Die zusehenden und miterlebenden Erwachsenen verstehen durch die Ausdeutung der Geschichte die modern klingenden Botschaften. Hilft bei StörungenAugenscheinlich bewährt sich Ketts ganzheitliche Pädagogik: aufgewühlte Kinder werden ruhiger, zurückhaltende finden auch eine Form sich auszudrücken, etwa in der bildlichen Darstellung des Gehörten als Legebild mit bunten Steinen, Plättchen und Schnüren. Klaus Gräske, einer der Mitarbeiter Ketts bestätigte auch den Erfolg selbst in schwierigen Schulklassen. Geschichten, die vom Leben erzählen, tragen zu einer gesunden Entwicklung von Kindern bei, können sogar bei verhaltensgestörten Kindern hilfreich sein. In Märchen sehen wir nach diesem Ansatz wie in einem Brunnen unser Spiegelbild, freilich nicht das äußere, sondern das innere. Gerade im religiösen Bereich ist dieser Zugang zu tiefen Inhalten über die Erfahrung eine große Bereicherung.