Herr Köbel erklärte den Kindern ausführlich die Bedeutung des Kreuzes und die Kinder zeichneten das Kreuz, darunter die Gottesmuster und den hl. Johannes, auf ein schönes Zeichenblatt. Bis auf einmal Paul Richter rief: „Mensch, schaut, was der Filippo macht, der hat nix kapiert. Der macht zwei Christus ans Kreuz. War doch nur einer.“ Filippo war erst seit kurzem in der Klasse. Er hatte Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Meist stand Filippo allein auf dem Schulhof. Überhaupt, er stand oft daneben und schien nicht dazuzugehören. Nur Karin kümmerte sich ein bißchen um ihn, weil sie in der Nähe wohnte. Sie wußte, daß sein Vater arbeitslos war, daß er sich oft betrank und Filippo verprügelte. Herr Köbel ging zu Filippo. Tatsächlich, da hatte der Bub über den Körper am Kreuz einen zweiten, kleineren gelegt. „Warum hast du das so gemacht? fragte Herr Köbel. In der Klasse lachten einige. Filippo schwieg einen Augenblick, dann sagte er leise: „Genau wie ich“. Wieder lachten einige. Aber der Lehrer sagte: „Nun hört einmal zu, was Filippo meint!“ Filippo versuchte zu erklären: „Ausgespottet, alleingelassen, angespuckt. Genau wie ich.“ Es wurde still in der Klasse. Filippo war verlegen geworden. „Und sie haben doch gesagt: Er ist für uns alle gekreuzigt worden. Für mich auch?“ „Ganz gewiß“, antwortete Herr Köbel: „Für dich, für mich, für alle Menschen“. Filippo ist ein paar Wochen später weggezogen. Aber sein Kreuz wurde aufgehängt und erinnert noch oft an jenen Buben, für den Jesus auch ans Kreuz geschlagen worden ist. Nach einer Geschichte aus „Die Sternsinger, Bonifatiuswerk Paderborn“.