Gerti Poinstingl: Fasten als Chance, sich granzheitlich zu erleben
Ausgabe: 1999/11, Gerti Poinstingl
16.03.1999
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Jedes Jahr einmal widmet sich Gerti Poinstingl (33), Lehrschwester an der Krankenpflegeschule Steyr, dem Fasten. Den kurzzeitige Verzicht auf feste Nahrung erlebt sie als Standortbestimmung für sich selbst, für ihre Beziehung zu Mitmenschen und Gott.Heute gibt es unterschiedliche Zugänge zum Fasten: Für die einen geht es um Gesundheits- Überlegungen, andere verfolgen geschäftliche Interessen, wieder andere fasten aus religiösen Motiven. Mir hilft die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Fasten weiter: „Etwas fest machen, anbinden, stärken“. Wenn ich einmal im Jahr faste, versuche ich den Verzicht ernst zu nehmen. Das stärkt dann meine Wahrnehmung für mich selbst. Wenn ich mich weniger um äußere Dinge wie das Essen kümmere, wird meine innere Sensibiliät gestärkt. Ich erlebe mein Dasein mit Geist, mit Leib und Seele. Beim Fasten geht es ja nicht nur um Nahrungsverzicht, sondern auch um Gebet oder soziales Gespür. Wenn mein Magen kracht, ist das beispielsweise ein Stück Solidarität mit denen, die ständig hungern.