Die Bibeltexte dieses Sonntags führen uns einen Schritt näher an die Bedeutung des Ostergeheimnisses heran: Bei Ezechiel hören wir von der Verheißung des Geistes Gottes, der sein Volk aus den Gräbern heraufholt (37, 12b). Gottes Geist wird es wieder lebendig machen. „Ich habe gesprochen und ich führe es aus, Spruch des Herrn“ bekräftigt der Prophet die Verheißung. Die „Auferweckung des Lazarus“ erzählt von Jesus, der gekommen ist, um uns das Leben zu geben. Diese seine Sendung erfüllt er, indem er selbst den Tod am Kreuz erleidet. Er wird auferweckt von den Toten und verkündet so durch sein Leben, daß auch wir leben werden über den Tod hinaus. Das Johannesevangelium beantwortet so die Frage der Christinnen und Christen, ob sie auferstehen und ewiges Leben haben werden. Wir werden lebenDiese Frage haben viele von uns mit den Gläubigen von damals gemeinsam. Vor allem, wenn Menschen die Nähe des Todes spüren, für Schwerkranke, Sterbende und ihre Angehörigen wird sie brennend aktuell. So wie es im Evangelium von Maria und Martha und ihren Freunden beschrieben wird. Jesus wirkt dort das Wunder der Auferstehung des Lazarus. Er kehrt ins Leben zurück, wird aber wieder sterben müssen. Das bleibt keinem Menschen erspart. Entscheidend ist die Aussage, daß Jesus Christus Macht über den Tod hat, daß er verkündet, daß Gott unser Leben und nicht unseren Tod will. Es heißt dann, daß viele Juden zum Glauben an Jesus kamen (V. 45). Ich habe folgende Erfahrung gemacht: Wenn Menschen mit dem Sterben-Müssen konfrontiert werden, genügt es nicht immer, von der Frohen Botschaft des Evangeliums zu erzählen. Es ist um der Glaubwürdigkeit willen wichtig, noch anders zu verkünden: mein Glaubenszeugnis ist gefragt. Es war für mich deshalb wichtig, meinem Glauben auf den Grund zu gehen und ihn neu zu lernen. Meine Lehrerinnen und Lehrer waren Sterbende.Eine alte Bergbäuerin, die spürte, daß die Behandlung ihrer Krebserkrankung nicht wirkte: „Das letzte Wort hat doch ein anderer“, meinte sie. Dann bereitete sie sich auf das Sterben vor. Sie wollte beichten und die Kommunion empfangen. Sie bat mich, sie in die Krankenhauskapelle zu führen, sie war oft ihr Zufluchtsort gewesen. Als ich sie das letzte Mal besuchte, bevor sie in das Krankenhaus in der Nähe ihres Heimatortes verlegt wurde, verabschiedete sie sich von mir – für immer. Sie sagte: „Wenn ich dann drüben bin, helfe ich ihnen.“ Sie hat es sicher oft getan. Anders glauben lernenOder eine junge Arbeiterin, auch sie war krebskrank. „Der Herrgott wird schon wissen, wann er mich holt“, sagte sie eines Tages. Ich war perplex, denn ich wußte nicht, daß sie schon seit einigen Wochen mit dem klaren Wissen lebte, bald sterben zu müssen. „Ich habe die Hoffnung, daß ich dann nach dem Tod weiterleben werde. Es ist schon schmerzlich, auch für meine Eltern, daß sie traurig sind . . . aber ich glaube auch, daß ich dann anders für sie dasein kann“, war ihr Glaubensbekenntnis. Von wem können wir so glauben lernen, wenn nicht von Sterbenden?