Ein Theaterprojekt bringt interessante Produktionen auf die Bühne
Ausgabe: 1999/49, Wels, Theater
07.12.1999
- Elisabeth Leitner
Im Stadttheater Wels feierten vergangene Woche Amateur-Schauspieler/innen die gelungene Premiere des Stückes „In der Löwengrube“.
Das mitreißende Theaterstück des Tirolers Felix Mitterer basiert auf einer wahren historischen Begebenheit während der NS-Zeit: Der jüdische Schauspieler Leo Reuss verliert durch das Inkrafttreten der Nürnberger Rassengesetze (1935) jede Existenzgrundlage. Von Berlin nach Österreich ausgewandert, bekommt er auch in Wien kein Engagement. Er zieht sich für einige Monate nach Zell am See zurück und feiert mit neuer Identität ein sensationelles Comeback: Als urwüchsiger Bergbauer mit Naturtalent scheint er der Rassenideologie der Nazis zu entsprechen und wird von der Theaterwelt auf der Bühne hoch gejubelt. Der Triumph in der Höhle des Löwen dauert nur kurze Zeit, Reuss wird von einem Kollegen entlarvt und emigriert später in die USA.
Mitreißend und mit großer Dramatik wurde der historische Stoff von den Schauspieler/innen auf der Bühne umgesetzt (überzeugend Paul Hofmann als ArthurKirsch alias Benedikt Höllrigl in der Rolle des jüdischen Schauspielers sowie Thomas Hartwagner als Schauspielkollege und NS-Mann Strassky). Die Inszenierung verzichtet auf überflüssigen Firlefanz und beschränkt sich auf die klare und aussagekräftige Sprache Mitterers. Das Theaterprojekt der Regionen – 1995 ins Leben gerufen – kann die Aufführung als Erfolg verbuchen, das Zusammenspiel von Amateuren und Profis hat sich neuerdings bewährt, großer Beifall vom Publikum.