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Erklärungen der Österreichischen Bischofskonferenz – Teil I

Dokumentation des Wortlautes der Erklärungen der Herbstsession der Österreichischen Bischofskonferenz (8. November bis 11. November 1999 in Wien)
Ausgabe: 1999/49, Küng, Eder, Kapellari, Hauft, Herbstsession, Österreichische Bischofskonferenz, Bischofskonferenz
10.12.1999

Erklärung zur Gesellschaftlichen Situation


Die österreichischen katholischen Bischöfe sehen mit Sorge eine bedrohliche Verschlechterung des gesellschaftlichen Gesamtklimas. Obwohl Österreich zu den reichsten und stabilsten Ländern der Welt zählt, sind Ängste und Befürchtungen in letzter Zeit in den Vordergrund getreten.

Dabei gilt es sorgfältig zu unterscheiden:


– es gibt Ängste, die auf Vorurteilen und mangelnder Information beruhen. Diese Ängste wurden und werden in der politischen Auseinandersetzung in Dienst genommen. Auf diesem Boden wachsen Hass und Intoleranz, Erscheinungen, die wir für immer aus dem Zusammenleben der Menschen in Österreich verbannt glaubten. Der christliche Glaube ist mit jeder Form von Antisemitismus, Rassendenken oder Fremdenhass unvereinbar.

– es gibt aber auch ernst zu nehmende Sorgen über ein mögliches Zuviel an Einwanderung und über Probleme mit der Integration. Über diese Sorgen und Probleme soll sachlich und gerechtigkeitsorientiert, nicht aber emotionsgeladen gesprochen werden. Die katholische Kirche ermutigt die Bildung von Gesprächsplattformen, um neue Wege der Integration im Geist des gegenseitigen Respekts und der Toleranz zu suchen. Im Sinn des „Dialogs für Österreich“ fühlt sich die Kirche verpflichtet, den Weg des Dialogs auch zur Lösung der gesellschaftlichen Orientierungskrise in unserem Land vorzuschlagen.

Entschieden muss jeder Versuch zurückgewiesen werden, bestimmte Menschengruppen wegen ihrer nationalen oder religiösen Herkunft auszugrenzen. Alle Menschen haben die gleiche Würde. Wer in diesem Bereich Wind sät, erntet allzu leicht Sturm. Die Geschichte Österreichs in diesem Jahrhundert ist der Beleg dafür.

Ebenso muss aber auch all jenen Menschen Gerechtigkeit widerfahren, die ernst zu nehmende Sorgen äußern. Sie dürfen nicht abgestempelt und an den Rand gedrängt werden. Es ist dasAnliegen der Kirche, den Menschen die Angst zu nehmen. Die Angst ist kein guter Ratgeber. Sie verdunkelt die Perspektiven.

Österreich hat in den letzten Jahrzehnten einen großen Aufschwung erlebt. Dieser Aufschwung wurde möglich, weil die verantwortlichen politischen und gesellschaftlichen Kräfte im Land das Miteinander in den Vordergrund gestellt haben, weil das Gemeinwohl als wichtiger angesehen wurde als Gruppenegoismen. Auch wenn es mitunter die Gefahr der Erstarrung gegeben haben mag, muss daran erinnert werden, dass es die Gesinnung des Miteinander und die Haltung des Interessenausgleichs waren, denen die Heilung der Wunden der Zwischenkriegszeit zu verdanken ist. Diese Gesinnung und diese Haltung gilt es wiederzugewinnen.

Die Bischöfe ermutigen alle Katholiken, sich für ein gutes Miteinander in Österreich einzusetzen, das der besonderen Aufgabe unseres Landes in Europa und der Welt entspricht. Sie laden zugleich alle Menschen guten Willens ein, gemeinsam nach Wegen zu suchen, wie Österreich den Weg des Respekts voreinander, der unbedingten Achtung der Menschenrechte und der Lösung gesellschaftlicher Probleme im Konsens auch im dritten Jahrtausend weitergehen kann.


„Dialog für Österreich“


Projektgruppe „Plattform Jugend“


Leitung: Diözesanbischof Paul Iby

„Dialog X“ – unter diesem Motto haben Jugendliche und junge Erwachsene einen „konziliaren Weg der Jugend“ begonnen. Mit einem Treffen von 80 Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlichster Jugendgruppen und Verbände am Jahrestag der Delegiertenversammlung – 25. und 26. Oktober – in Salzburg ist eine erste Etappe auf diesem Weg erreicht worden. Nun geht es darum, in gemeinsamer Verantwortung das Leben in Kirche und Gesellschaft zu gestalten. Das Ziel dieser Arbeit ist eine Konzentration auf die Kernbereiche „Nähe zu Gott und Nähe zu den Menschen“. Jugendliche und junge Erwachsene sollen sich fragen „wo braucht mich Gott in unserem Land?“ Damit soll ganz bewusst ein Gegensignal zu einer anderen oft gestellten Frage gesetzt werden, nämlich zur Frage „was habe ich davon?“

Um den 25. Oktober 2000 ist ein weiteres Treffen junger Menschen in Salzburg geplant. „Dialog X+2“ bedeutet, jeder Teilnehmer/jede Teilnehmerin des Treffens 1999 bringt zwei weitere Jugendliche nach Salzburg mit.


Projektgruppe „Sonn- und Feiertag“


Leitung: Diözesanbischof Maximilian Aichern

Die Österreichische Bischofskonferenz begrüßt die österreichweite Vernetzung der „Allianz für den Sonntag“ und ruft zur verstärkten Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit auf.

Als Teil des Dialogprozesses fanden zum Thema „Sonn- und Feiertag im Kontext der heutigen Gesellschaft“ mehrere Sitzungen der Projektgruppe statt, um diese Arbeit zu koordinieren. In einer ersten Phase wurde der Auseinandersetzung mit den geltenden rechtlichen Bestimmungen zu diesem Thema viel Raum gegeben. Unser Ziel ist die Verankerung des Schutzes des gemeinsamen arbeitsfreien Sonn- und Feiertags in der Verfassung.

Weitere politische Gespräche zur besseren Absicherung der arbeitsfreien Sonn- und Feiertage sind geplant. Zur Mitarbeit sind eingeladen die Katholische Sozialakademie Österreichs (KSÖ), die Katholische Aktion Österreichs (KAÖ), die Katholische Arbeitnehmerbewegung Österreichs (KABÖ), das Medienbüro der Bischofskonferenz sowie alle Diözesen und die bestehenden Allianzen in diesem Anliegen.


Projektgruppe „Ökumenisches Sozialwort“


Leitung: Diözesanbischof Maximilian Aichern

Angesichts der großen gesellschaftlichen Herausforderungen wollen die christlichen Kirchen in Österreich ihre gemeinsame Verantwortung durch ein „Ökumenisches Sozialwort“ zum Ausdruck bringen. Die Österreichische katholische Bischofskonferenz dankt dem Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich für die Bereitschaft, diese Idee der Delegiertenversammlung in Salzburg 1998 aufzugreifen.

Die offizielle Vorbereitungsphase startet mit dem Christentag 1999. Im Frühjahr 2000 sind kirchliche Einrichtungen und Initiativen eingeladen, ihr soziales Tun angesichts der gesellschaftlichen Herausforderungen zu überprüfen. Dazu wird ein Impulstext erarbeitet. Im Herbst 2000 startet eine öffentliche Diskussion der Probleme und Herausforderungen. Die darauf basierende Zusammenschau der Stellungnahmen und Diskussionen führt dann über in die konkrete Erarbeitung des „ökumenischen Sozialwortes“ ab dem Frühjahr 2001.

Dem verantwortlichen Arbeitskreis gehören an (in alphabetischer Reihenfolge): Michael Chalupka (Direktor der Evangelischen Diakonie), Oberin Christine Gleixner (designierte Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich), P. Alois Riedelsperger SJ (Direktor der Katholischen Sozialakademie), P. em. Prof. Johannes Schasching SJ (Sozialethiker), Metropolit Michael Staikos (derzeitiger Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich), Ursula Struppe (Leiterin der Theologischen Kurse Wien).


Projektgruppe „Bischofsein heute“


Leitung: Diözesanbischof Alois Kothgasser

Die Projektgruppe „Bischofsein heute“ hat bei der Herbstbischofskonferenz ein Grundsatzpapier vorgelegt, das ein Leitbild für das Bischofsprofil und die Bischofsernennungen entwickelt. Deutlich im Vordergrund stehen der Dienstcharakter des Amtes, die Verkündigungsaufgabe des Bischofs sowie die stärkere Einbindung der Gläubigen bei der Bischofsbestellung. Im Rahmen der Entfaltung des Bischofsprofils, wie es im II. Vatikanischen Konzil entworfen und im Blick auf unsere Zeit ausgefaltet wurde, kommen folgende Schwerpunkte zur Geltung: „Auf das Wort Gottes hören“, „Die frohe Botschaft verkünden, die Nähe Gottes feiern, den Menschen dienen,“ „Zeuge sein für die Hoffnung der Welt“, „Garant der Treue Gottes“, „Kompetent für die Leitung“, „Verantwortlich für die Ortskirche im Blick auf die Weltkirche“, „Klug im Umgang mit den Medien“.

Aus dem Bischofsprofil und dem Verständnis von Kirche als „Gemeinschaft und Teilhabe“ ergeben sich Vorschläge für die Bischofsernennungen, die bis zur Frühjahrskonferenz 2000 wird daran von den Bischöfen gearbeitet.


Projektgruppe „Frauen in Kirche und Gesellschaft“


Leitung: Diözesanbischof Egon Kapellari und Margit Hauft

Auch in Bezug auf die Situation der Frauen in Kirche und Gesellschaft ist unsere Ortskirche in Verbindung mit der Weltkirche in Bewegung. Wir Bischöfe wollen diesen Weg in Solidarität mit den Frauen begleiten. Wir danken den unzähligen Frauen, die unsere Kirche auf vielen Ebenen des kirchlichen Lebens tragen und mitgestalten, und bitten sie diesen Dienst auch weiterhin zu tun. Viele Türen haben sich für Frauen in Kirche und Gesellschaft in den letzten Jahren geöffnet, sie dürfen nicht mehr verschlossen werden. Die Förderung von Mitarbeit und Mitverantwortung der Frauen geschieht in den einzelnen Diözesen Österreichs nach unterschiedlichen Modellen, ist aber ein gemeinsames Anliegen der Kirche in Österreich und wird als solches im Austausch der Erfahrungen wahrgenommen. Einige Diözesen haben eine Frauenkommission, andere haben ein Frauenforum eingerichtet oder planen eine Ähnliche Organisationsform. Für die nächsten drei Jahre wird von der Bischofskonferenz festgelegt, dass jährlich drei Bischöfe und je eine Vertreterin aus jeder Diözese zu einem ausführlichen Gespräch zusammentreffen, um die weitere Entwicklung zu begleiten und zu fördern.

Mit der komplexen Frage einer Diakonatsweihe für Frauen befasst sich in päpstlichem Auftrag die Internationale Theologenkommission. Eine rasche Entscheidung ist kaum zu erwarten. Um Enttäuschungen zu vermeiden, lehnen die Bischöfe Österreichs die Einrichtung von Kursen für Frauen, die eine Diakonatsweihe erstreben, ab.


Projektgruppe „Wiederverheiratete und Geschiedene“


Leitung: Diözesanbischof Klaus Küng

Die Projektgruppe „Wiederverheiratete und Geschiedene im Kontext von Ehe und Familie heute“ hat sich in den vergangenen Monaten intensiv dem Auftrag gewidmet, einen Entwurf für Richtlinien der Pastoral an Geschiedenen und Wiederverheiratet-Geschiedenen auf der Grundlage des kirchlichen Lehramtes zu erstellen.

Zunächst wurde im Gespräch mit Betroffenen, nach eingehendem Studium der Dokumente des kirchlichen Lehramtes, sowie von Richtlinien und Unterlagen, die von unterschiedlichen Personen und Gruppen zusammengestellt wurden, ein Grundschema festgelegt.

Ein erster Textentwurf wurde bausteinartig durch die Mitglieder der Projektgruppe erarbeitet. Es folgte eine gründliche Diskussion dieses ersten Entwurfes, Modi wurden eingebracht und die Grundlinie festgelegt. Der Textentwurf wurde im wesentlichen fertig gestellt und von der Projektgruppe approbiert, derzeit werden noch einige redaktionelle Verbesserungen durchgeführt.

Die Zielrichtung des Dokumentes besteht darin, bewusst zu machen, dass Christus – und damit die Kirche – allen Menschen ohne Ausnahme helfen will. Es versucht, Hoffnung zu vermitteln, das Verständnis der Zusammenhänge zu erleichtern und auf der Grundlage des kirchlichen Lehramtes konkrete Wege aufzuzeigen, die auch aus solch schwierigen Situationen heraus zum Ziel der vollen Vereinigung mit Christus führen. Das Dokument versucht bewusst, sich bei der Problematik der Wiederverheiratet-Geschiedenen nicht allein auf die Frage des Kommunionempfanges einzuschränken, ohne diese Frage auszuklammern.

Das Dokument wird nach der vorläufigen Approbation durch die Projektgruppe den diszesanen Referaten für Familienpastoral, einigen Professoren und andere Sachverständigen zur Stellungnahme zugesandt und nach Prüfung der einlangenden Vorschläge – auch die Glaubenskongregation ist einbezogen – der Bischofskonferenz vorgelegt.


Expertengruppe bezüglich Ehebegriff


Leitung: Diözesanbischof Klaus Küng

Unter dem Vorsitz des „Familien-Bischofs“ traf sich eine Expertengruppe von Juristen, gebildet aus Professoren und Sachverständigen, um die politische Entwicklung in anderen Ländern Europas, insbesondere Frankreich, bezüglich der rechtlichen Anerkennung von Lebensgemeinschaften (hetero- und homosexuellen) und die mögliche Auswirkung auf die Gesetzgebung in unserem Land zu besprechen und zu überlegen, wie diesen Entwicklungen zu begegnen ist.

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