- Kirchenzeitung der Diözese Linz, Sr. Margret Scheurecker
Ich weiß es noch gut. Es war an einem Dezemberabend am Beginn des Advents. Ich hatte vergessen, das Gartentor abzu-schließen. So ging ich aus dem Haus, den Weg hinunter zum Tor – hinein in die Nacht. Schritt für Schritt kroch die Kälte an mir he-rauf. Schritt für Schritt wurde die Dunkelheit dichter. Schritt für Schritt umfing mich lähmende Einsamkeit. Ich stand still – über mir der Sternenhimmel. Lange, sehr lange, sah ich meiner Dunkelheit, meiner Kälte, meiner Einsamkeit in die Augen . . . Im Haus angekommen, wusste ich: Auch ich habe ein Herz, das sich nach Wärme, Licht und Gemeinschaft sehnt. Ich kann und darf diese Sehnsüchte zulassen. Ich brauche sie nicht mehr abzuwerten, nicht mehr in die Ecke zu stellen wie etwas Kindisch-Naives. Ich will meine Sehnsucht nicht mehr niederhalten mit Arbeit und Leistung, mit permanentem Unterwegssein, mit Essen, Trinken, Tratschen – bis zum Überdruss! Ich darf meine Sehnsüchte leben! Ich darf sie zum Ausdruck bringen – auch in den Zeichen des Advents: Lichter anzünden, in der Nähe des wärmenden Feuers sitzen, Nüsse mit Gold verzaubern, Sterne ins Fenster hängen, Lieder singen, zusammenrücken um einen Tisch, um den Kranz aus Tannenreisig, vorlesen aus einem Buch . . . Gerade aber wenn Menschen einander nahe kommen, werden ihre Sehnsüchte enttäuscht. Wen wundert’s? Zu hoch sind unsere Erwartungen, zu zahlreich unsere Wünsche. Menschen sind da überfordert. Und doch sind unsere Sehnsüchte keine Illusionen. Sie verweisen uns auf den Ursprung und das Ziel allen Lebens, aller Sehnsucht – angelegt auf Unbegrenztheit. „Gott“ sagen wir – oder sagen wir nicht – und buchstabieren fragend: helles Licht, mildes Licht? Lied, liebes Lied? Woher – wohin? Menschenkind, Gotteskind – du . . . Wenn ich heute durch die sternengeschmückten Einkaufs-straßen gehe – Schritt für Schritt, fühle ich mich mit den vielen Menschen recht verbunden: Auch du, sagt es in mir, auch du hast ein Herz, das sich nach Wärme, Licht und liebevoller Nähe sehnt. Auch du hast ein Herz, das Wärme, Licht und liebevolle Nähe schenken kann. Du bist umfangen von der Wärme, dem Licht, der liebevollen Nähe deines Schöpfers – jetzt und immer.