Das Jahr 1999 ist fast vorbei. Vieles ist wieder geschehen – Schönes und Fürchterliches, Erstaunliches und Unvorstellbares. Nur eines ist wieder nicht eingetreten: der Anbruch einer heilen Welt ohne Chaos, ohne Krieg, ohne Tränen, ohne Hunger, ohne Enttäuschungen. Eigentlich, so hat es geheißen – müsste die Welt ja heil, ganz, gut werden, wenn der Messias kommt. Alles müsste verwandelt sein. Die Welt hat sich jedoch nicht grundlegend verändert – sie ist nicht schlechter, aber auch nicht besser geworden. Wenn es Verbesserungen, Durchbrüche gibt, dann erzielt man diese Fortschritte nur mühsam, oft über Jahre, Jahrzehnte, ja Jahrhunderte. Und selbst dann sind Kulturleistungen, Werte, Demokratie . . . nicht gefeit vor Erosion. Ist das alles verändernde Kommen des Messias also ein Wunschtraum? Ist das Eingreifen Gottes in die Welt etwas, womit wir vielleicht gar nicht rechnen dürfen? Oder ist dieses Eingreifen angesichts der so gar nicht paradiesischen Welt gar wirkungslos geblieben? Eine Antwort auf diese Fragen gibt der Evangelist Lukas. Beim Lesen seiner Weihnachtserzählung fällt auf: Das Kommen des Messias wurde, bis auf kleine Ausnahmen, übersehen. Die weite Welt nahm keine Notiz davon, keine weltverwandelnden Wunder waren Begleitmusik, die Erde ist nicht zum Paradies geworden, wo Lamm und Wolf friedlich nebeneinander leben. Vielmehr erfahren wir, dass der Messias abgelehnt, vor die Tür gesetzt wurde – unerkannt. Und trotzdem wird eine Frohe Botschaft verkündet! Lukas hat seine Weihnachtserzählung lange nach Jesu Leben, Tod und Auferstehung geschrieben. In diese Erzählung fließen daher die Erfahrungen der Menschen mit dem erwachsenen Jesus ein. So spiegelt sich im Bild vom „machtlosen“ Kind im Futtertrog die Erfahrungen mit dem „machtlosen“ Mann aus Nazaret wider. Und das ist die eigentliche Frohbotschaft! Jesus jagt keine Angst ein, seine Nähe überwältigt, zwingt und bedroht nicht, sie ermutigt vielmehr, stärkt, gibt Hoffnung und richtet auf. Seine „Macht“, seine Stärke liegt in seiner „Schwäche für die Menschen“. Gerade in dieser Menschlichkeit Jesu, in seiner Zuwendung entdecken Männer und Frauen Gott neu. Die Welt ein Stück menschlicher zu machen und dabei die Geduld, die Hoffnung, die Freude nicht verlieren, trotz möglicher Enttäuschungen – dazu ermutigt Weihnachten. Das Kind in der Krippe zeigt, dass bei all dem das menschlich Zumutbare der Maßstab ist: anstelle eines Paradieses auf Knopfdruck das konkrete Beginnen beim Kleinen, Unscheinbaren, Unspektakulären.