Vom geplagten Christkind und dem geschäftsfüchtigen Weihnachtsmann
Ausgabe: 1999/50, Weihnachtsmann
14.12.1999
- Maria Haunschmidt
Verkommt das Weihnachtsfest zu einem Konsumfest total? Können wir gegensteuern?
Zum Thema „Das Christkind ist tot, und dem Weihnachtsmann ist auch schon schlecht“ fand im Bildungshaus Betriebsseminar der Diözese Linz ein offener Sozial-Stammtisch statt. „Nachdem die christliche Kultur auf heidnischen Ritualen aufgebaut hatte, baut die kapitalistische Welt nun ihre Tempel auf den Felsen mancher christlicher Rituale“, so „Stammtisch-Sprecher“ Klaus Buttinger. Kirchen leeren sich, während die Einkaufstempel vor den Städten immer voller werden. „Für viele ist die Welt des Kommerzes mit vereinnahmten christlichen Symbolen, die weltweit vermarktet werden, eine Art Ersatzreligion“, wurde am Sozial-Stammtisch lamentiert.
Sinnvolles und Besinnung
Heute weicht „das zarte Christkind mit sanftem Flügelrauschen“ – so ein Zitat aus den Dreißiger- jahren bei einem spritzigen Medienstreifzug in die Weihnachtsnostalgie – immer mehr dem polternden Weihnachtsmann. Er ist weltweit unterwegs. Zum Konsum oft für einen wohltätigen Zweck (man denke an die vielen Weihnachtsmärkte und Punschstände!) kommen überfrachtete Erwartungen an eine heile Welt, die es nicht (mehr) gibt. Die Frage drängte sich auf: Wie lässt sich gegensteuern?
- „Bewusst Ruhe suchen!“, verriet ein Familienvater sein Weihnachtsgeheimnis. Geschenkt werden in seiner Familie (mit allerdings schon größeren Kindern) nur Kleinigkeiten. - „Die Alternative zum Kaufen wäre – gemeinsames – Erleben!“, so die einhellige Meinung. - Ein jüngerer Mann ermahnte: „Man muss sich nicht alles geben!“, und meinte damit, man soll nicht überall mittun. Er plädierte für einen „Weg der kleinen Schritte und Ziele“ gegen den Trubel. - Weihnachten ohne übliche Geschenke? Mit Kindern ist das fast nicht möglich – so einige (leid-) geprüfte Mütter und Väter. Dennoch herrschte die Meinung vor: Man kann zurückstecken, bremsen, mit den Kindern reden – und ihnen Selbstwertgefühl anders vermitteln, sodass sie dem Konsumdruck in der Klasse standhalten können. Vorleben soll eine Devise sein, z. B. in positiver Alternative zum globalen Weihnachtsmann auch in Bezug auf fair gehandelte Produkte. - Ein weiterer Tipp: Aussteigen aus Schenk-Traditionen wie „Tauschgeschenken“, deren Beschaffung nur Stress verursacht. - Im Übrigen solle man angesichts der ver-rückten Entwicklungen Humor zeigen und mit einem „fröhlichen Lied auf den Lippen“ dem Treiben zuschauen, anstatt sich leidvoll (tannen-)grün und (mittwinternachts-)blau zu ärgern!