Ausgabe: 1999/50, Wohlstand, Wohlstands-Egoismus, Politik, Schüller
15.12.1999
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Die heutige Wohlstandswelt denke über den eigenen Tellerrand bzw. den der eigenen Gruppe nicht mehr hinaus, kritisierte der Wiener Hochschulseelsorger Helmut Schüller auf einer Tagung der Hochschule für Bodenkultur. Das gegenwärtig in unserer Gesellschaft vorherrschende Lebenskonzept, das dem eigenen Besitz- und Wohlstandsdenken unbedingten Vorrang vor dem Gemeinwohl und der Solidarität einräumt, mache Politik immer schwieriger. Wenn Politik wirklich die immer drängender anstehenden Zukunftsfragen lösen und nicht bloß ein paar Retuschen erzielen will, dann müsse sie mit den Menschen über die bisher als zu heikel empfundene Frage des Wohlstands-Egoismus ins Gespräch kommen. Denn ohne eine Koalition mit den Grundüberzeugungen der Menschen, so Schüller, werde es keine Lösung der großen Probleme geben. Soll die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in unserem Land wie in der Welt überwunden werden, dann werde das nur gehen, wenn die Weichen von „Wohlstands-Individualismus“ auf Solidarität umgestellt werden.Auch Caritaspräsident Franz Küberl beklagte eine Politik, die sich zunehmend aus ihrer Solidaritätsverantwortung ausklinke und die Sorge um die Armen und Benachteiligten nach unten weitergebe bzw. privatisiere.