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Reform nicht Selbstzweck

Katholische Aktion Österreichs will die Stimme der Kirche in der Welt deutlicher hörbar machen
Ausgabe: 1999/50, KA, Friesl, Präsident, KAÖ
15.12.1999
- Hans Baumgartner
Die Katholische Aktion will in wichtigen gesellschaftlichen und politischen Fragen wieder mehr Muskel zeigen, sagt KA-Präsident Christian Friesl.

Die Katholische Aktion Österreichs hat sich neu eingekleidet. Ging es dabei nur um ein moderneres Erscheinungsbild?

Friesl. Mit der Annahme der neuen Statuten durch die Bischofskonferenz ist die Reform der Katholischen Aktion Österreichs quasi in die Zielgerade eingebogen. Ich bin zuversichtlich, dass sich der damit verbundene Einsatz vieler Kräfte auch rechnet und die Stimme der Christen in der Gesellschaft wieder deutlicher hörbar wird. Insofern ging es bei der KA-Reform auch um das Erscheinungsbild der Kirche in Österreich, die in den letzten Jahren, wenn es um Existenz- und Zukunftsfragen der Menschen ging, ziemlich abgemeldet war, sieht man von der Caritas ab.

Service statt Wasserkopf


Was sind nun die Kernpunkte der Reform, die die KAÖ Jahr-2000-fit machen sollen?

Friesl. Was die Rechtsform angeht, wird die Katholische Aktion Österreichs ab 1. Jänner 2000 als „kirchliche Vereinigung“ errichtet werden. Es handelt sich dabei um eine fällige Anpassung der KA-Statuten an das Kirchenrecht. Viel entscheidender für mich sind die inneren Veränderungen in der Struktur und dem Selbstverständnis der KAÖ. Ich möchte hier vier Punkte nennen:

– Weniger Verwaltung und mehr inhaltliche Arbeit. Wir wollen dabei nicht bloß dem Vorwurf eines „Wasserkopfes“ auf Bundesebene begegnen, sondern die Kompetenz und Wirksamkeit der KAÖ in gesellschaftlichen und kirchlichen Fragen erhöhen und dies durch eine entsprechende Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit auch nach außen und innen vermitteln.

– Mehr Subsidiarität. Die KA-Bundesebene ist nicht der „Übervater“, sondern der Dienstleister, der die acht Mitgliedsorganisationen (Jungschar, Jugend, Frauen-, Männerbewegung; KAB, Hochschuljugend, Akademikerverband, Literarisches Forum) und die Katholischen Aktionen der Diözesen unterstützt.

– Mehr Durchlässigkeit. Durch die gemeinsame Arbeit der verschiedenen Organisationen in den vier Themenforen sollen die Zusammenarbeit, die Durchlässigkeit und der Informationsfluss verbessert werden. Ein Beispiel: Das Thema „Zukunft der Arbeit“, das betrifft ja nicht nur die Arbeitnehmerbewegung, sondern auch die Jugend, die Frauen etc.

– Ein gestärktes KA-Bewusstsein durch die gemeinsame Arbeit an Themen und Projekten.

Wichtige Instrumente auf diesem Weg sind ein eigenes inhaltliches Referat und die Errichtung der vier Themenforen – Arbeit, Wirtschaft und Soziales,
– Ehe, Familie, Beziehungen,
– Wissenschaft, Kunst und Medien (ein vernachlässigter Bereich),
– Forum Zukunft (eine Werkstatt für wichtige Zukunftsthemen).

Von Sonntag bis Familie


Welche gesellschaftlichen Themen sollte denn die KA mit neuer Power anpacken?

Friesl.: Da steht sicherlich die Sonntagsfrage ganz vorne an. Dabei geht es nicht nur um die Arbeitsruhe, sondern auch um das Anliegen einer Sonntagskultur. Wenn immer mehr Leute mit dem Sonntag nichts mehr rechtes anzufangen wissen, dann wird der Druck, die Konsumtempeln aufzusperren, immer größer und der Widerstand, sich den Sonntag für etwas mehr Einkommen abkaufen zu lassen, immer geringer. Was den Sonntag erst zu einem Sonntag macht – diese Chancen und Werte auf einladende Weise deutlich zu machen, dafür werden wir uns in den kommenden Monaten ebenso einsetzen wie für die politische Absicherung des gemeinsamen arbeitsfreien Sonn-und Feiertags.

Ein zweites Anliegen ist das geplante ökumenische Sozialwort, bei dem wir uns vor allem in der Phase der Basisdiskussion stark einbringen wollen.
Ein dritter, momentan sehr bedrängender Bereich betrifft den Umgang mit Flüchtlingen und das Zusammenleben zwischen In- und Ausländern. Hier wollen wir in zwei Stoßrichtungen arbeiten: Gemeinsam mit anderen Organisationen soll der politische Druck verstärkt werden, damit die Ausländergesetze endlich den Menschenrechten angepasst und die sozialen und kulturellen Spannungsfelder durch eine entsprechende Integrationspolitik entschärft werden. Auf der anderen Seite möchten wir unser großes Potential an der Basis mobilisieren, um vor Ort mit den Menschen, den Ausländern wie den Inländern, ins Gespräch zu kommen über ihre Probleme, Sorgen und Vorschläge.Mittelfristig werden wir uns auch intensiv mit den Fragen der Familienfinanzierung und der Bewertung und Verteilung von Arbeit auseinandersetzen müssen. Das sind ganz entscheidende Zukunftsthemen, die von der Politik zur Zeit enttäuschend wahrgenommen werden.

Wird die KA aus der innerkirchlichen Reformdebatte aussteigen und sich ganz den „Weltfragen“ zuwenden?

Friesl. Es ist richtig, dass wir nach Jahren einer sehr intensiven Beteiligung am innerkirchlichen Dialog uns nun wieder stärker dem gesellschaftlichen Dialog, und damit den Sorgen und Hoffnungen der Menschen zuwenden und hier als Kirche präsent sein wollen. Ausstieg aus der innerkirchliche Reformdebatte ist das aber keiner, wir werden sicher an einzelnen Themen dranbleiben.


„Wenn wir mit dem innerkirchlichen Dialog nur in Österreich bleiben, werden wir in Rom kaum gehört werden. Deshalb wird sich die KAÖ verstärkt um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, etwa mit dem Zentralkomitee deutscher Katholiken, bemühen.“

Christian Friesl


Dr. Christian Friesl ist Präsident der Katholischen Aktion Österreichs, Pastoraltheologe und kirchlicher Sozialforscher.
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