Peking verlangt von Portugal, dass an der Übergabefeier in Macao am 19. Dezember kein diplomatischer Vertreter des Vatikans teilnehmen darf.
Nach 442 Jahren wird Portugal die Verwaltung von Macao am 19. Dezember um 24 Uhr an die Volksrepublik China übergeben. Wie die Rückgabe von Hongkong am 1. Juli 1997 durch die Briten, so wird auch jene von Macao Auswirkungen auf die katholische Kirche haben. Erstes Signal dafür waren in der Planungen für die Übergabefeier. Peking zeigte Nervosität bei der Konfrontation mit der katholischen Tradition und weltkirchlichen Bedeutung des alten Zentrums der China-Mission, das nun aus dem europäischen Schutz entlassen wird. Mit Nachdruck wurde von Portugal gefordert, dass keinesfalls irgendein diplomatischer Vertreter des Vatikans an den Feierlichkeiten teilnehmen dürfe. Lissabon, für die Gestaltung zuständig, hätte jedoch gerne einen päpstlichen Sondergesandten empfangen. Weil die zukünftigen Machthaber dies mit der – in diesem Fall nicht überzeugenden – Begründung ablehnten, der Vatikan unterhalte diplomatische Beziehungen mit Taiwan, nahm Lissabon Sondierungsgespräche mit Rom auf. Dabei deutete man an, unter den gegebenen Umständen nicht verstimmt zu sein, wenn die Einladung ausbliebe. Am Donnerstag vergangener Woche wurde in Rom ein Brief an Domingos Lam veröffentlicht, den 1986 ernannten ersten chinesischen Bischof von Macao. Darin appelliert Papst Johannes Paul II. an seine Kirche in Macao, auch nach der Übergabe an die Volksrepublik „die volle Verbindung mit der Weltkirche zu wahren“. Sie solle ihren Einsatz für die Menschenrechte und für menschliche Freiheit weiterführen. Das „Tor der Kirche zu China“ müsse ab 20. Dezember in neuen Formen ihren missionarischen Auftrag inmitten der chinesischen Welt fortsetzen.