Marktplätze dampfen nach Punsch, Sektregale sind gerüstet für den Jahrhundertwechsel. Alkohol hat Hochsaison. KIZ-Solidaritätspreisträger Helmut Krenn weiß aus eigener Erfahrung, wie die Welt im Alkohol die Konturen verliert. Er leitet seit 23 Jahren die Gruppe entwöhnter Alkoholiker in Linz.
„Die Probleme damit werden vertuscht!“ – Dieser Satz von Helmut Krenn, dem Solidaritätspreisträger der Kirchenzeitung, legt den Finger auf eine der größten Alkohol-Wunden: Auf leisen Pfoten der kurzfristigen Heiterkeit, Geselligkeit und des momentanen Kummer-Verdrängens schleicht der Alkohol in das Leben vieler und unterhöhlt, was Halt bietet: Familien, Freundschaften, Arbeitskraft, Verlässlichkeit und Beruf. Viel zu lange wird das Problem nicht angesprochen.Helmut Krenn hat das alles selbst durchgemacht: Der heute 67-Jährige stürzte mit 43 Jahren in die Katastrophe. Nach jahrelangem sorglosen Umgang mit Alkohol, schlitterte er in eine massive Alkoholabhängigkeit. Die Zeitabstände der „Abstürze“ wurden immer kürzer. Schließlich verlor er seine Arbeitsstelle, damit auch seine Dienstwohnung. Der Schuldenstand wuchs. Seine Gesundheit war schwer angegriffen und auch sein Familienrückhalt, das spürte er, war in Gefahr.
Ich muss mich ändern – dieser Gedanke wurde zum eisernen Willen. In Kalksburg erhielt er das Rüstzeug, den „bitteren, höllischen Weg“ zurück gehen zu können. Seine Frau hat ihm viel geholfen. Auch ein neuer Arbeitgeber gab ihm eine Chance. Und da war und ist auch jene Gruppe, die ein ähnliches Schicksal zu tragen hat – die „Gemeinschaft entwöhnter Alkoholiker“, die GEA: Alles Nothelfer/innen!
Seit 23 Jahren leitet Herr Krenn diese Gruppe nun. Ein Engagement, das den Solidaritätspreis verdient hat. Die GEA lädt zweimal in der Woche zu geselligen Treffen ein. Bis zu 70 Männer und Frauen kommen zusammen. Im monatlichen Rhythmus stehen auch ein Mediziner, eine Psychologin und ein Soziologe für Rat und Hilfe zur Verfügung. Wanderungen und Ausflüge festigen den Zusammenhalt. Die GEA ist ein Ort der Ablenkung genauso wie ein Ort, an dem sich die Menschen stützen, um eisern durchzuhalten. So wie Helmut Krenn – seit 24 Jahren!
Die größte Attraktion der GEA ist der jährliche Kracherlball.
Helmut Krenn wörtlich
In dieser Zeit ist die Alkoholverführung besonders groß. Es gibt keinen Anlass mehr, der nicht mit Alkohol begossen wird.Um fünf oder sechs Uhr am Abend stehen bei den Punsch-Standerl lauter junge Leute. Da kommt mir das Grausen, wenn ich denke, wie leichtsinnig dem Alkohol zugesprochen wird. Jemanden, der nicht trinken will, dazu zu verleiten oder gar zu zwingen, ist schändlich. Freunde hat man viele, solange man ein volles Geldtascherl hat und si e mitleben lässt. Dann, aber, wenn man sie braucht, sind sie weg.Ich will den Alkohol nicht verdammen. Wer damit umgehen kann, soll ihn genießen, aber die Gefahr der Grenzüberschreitung ist groß.Ich möchte jeden warnen, der mit Alkohol leichtsinnig umgeht: da herauszukommen, ist sehr schwer!Ich habe schon viele Menschen gesehen, die am Alkohol zu Grunde gingen.Kein Alkohol – ein Verzicht für mich? – Verzicht ist nicht das richtige Wort: Ich fürchte den Rückfall wie den Teufel, denn ich weiß nicht, ob ich dann wieder rauskommen würde.Ich bin am Abgrund gestanden. Es ist furchtbar, nun Leute zu sehen, die die Einsicht nicht haben und die stufenweise darnieder gehen.
GEA: Hausleitnerweg 34, 4020 Linz, Tel.: 0732/34 30 96; Di. und Do. ab 19 Uhr.