Es sollte ein Routinebesuch beim Frauenarzt werden. Doch dann zeigt der Ultraschall, dass Selina nicht mehr mit sich alleine ist.
„Sie sind schwanger“, stellt der Frauenarzt lakonisch fest. Die 18-jährige Selina (Name wurde geändert) ist geschockt. Das muss sie erst einmal verdauen. Der Arzt drückt ihr Informationsmaterial in die Hand. Ein paar Tage braucht Selina, um wieder klare Gedanken fassen zu können. Allmählich dämmert ihr: Jetzt wird vieles anders.
„Gute“ Ratschläge für Selina
Selinas Mutter reagiert hektisch. Sie will keine Zeit verlieren. Ein Anruf genügt, und schon hat sie einen Termin beim Abtreibungsarzt festgelegt. „Meine Mutter hat mir geraten, das Kind abtreiben zu lassen“, erzählt Selina. Auch ihr Stiefvater schließt sich diesem Ratschlag an. „Du verdirbst dir mit dem Kind deine ganze Jugend“, warnt die Mutter. Aber Selina beginnt sich zu wehren: „Das Kind war zwar nicht geplant, aber eine Abtreibung kommt für mich nicht in Frage.“ Selina sieht in ihrem Kind im Mutterleib ein eigenständiges Lebewesen. „Es hat von Beginn an alle Anlagen für das, was sich später ausbildet”, sagt Selina. Sie bleibt bei ihrer Entscheidung, auch als sie deshalb aus der elterlichen Wohnung hinauskomplimentiert wird.
Hilfe bei der Caritas
Jetzt wird es doppelt schwer für Selina. Eine Freundin erzählt der werdenden Mutter schließlich von einer Beratungsstelle für Schwangere bei der Caritas. Hier findet Selina Rat und Hilfe. Viele Frauen in ihrer Situation sollten von dieser Einrichtung wissen, wünscht sie sich. Im Beratungsgespräch wird die junge Frau in ihrem Weg bestärkt. Auch die finanziellen Sorgen lassen sich klären. Eine Teilzeitarbeit bei der Caritas bringt die nötigen Versicherungszeiten für den Anspruch auf Karenzgeld. Schließlich schleppt Selina zur Beratung auch ihre Mutter an. Die Frau hat ihre eigene Geschichte hinter sich: mit 16 Jahren war sie mit Selina schwanger. Eine Abtreibung war nicht möglich, weil die Schwangerschaft erst im 6. Monat erkannt wurde. Und jetzt fürchtet die Mutter, dass sich die Geschichte an ihrer Tochter wiederholt.
Die Einstellung ändert sich
„Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, von meiner Mutter gar nicht richtig erwünscht zu sein“, erinnert sich Selina. Aber ganz allmählich färbt Selinas Vorfreude auf das Kind auch auf die Mutter ab. Sie sieht ein, dass das Kind keine Katastrophe ist. Finanzielle Probleme lassen sich regeln, und die Tochter scheint mit der neuen Situation nicht völlig überfordert zu sein. Und dann, wenige Wochen vor dem Geburtstermin, verleiht die Mutter ihrer Freude einen ersten deutlichen Ausdruck: Sie will für die Einrichtung des Kinderzimmers aufkommen.
Einsame Entscheidung
„Es ist kein Wunschkind gewesen, aber jetzt bin ich trotzdem froh, dass es da ist.“ Selina steht zum neuen Leben, das sich in ihr regt. Allein und gegen den Willen der Menschen, die ihr nahestehen, hat sie sich dafür entschieden. Ihr Freund war zu diesem Zeitpunkt im Ausland. Seine Botschaft war für Selina der einzige Trost: „Wofür auch immer du dich entscheidest, ich stehe hinter dir“, hat er ihr gesagt. Anders die Freunde: „Alle haben sich abgeseilt“, erzählt Selina. Schon mit ihrem um 14 Jahre älteren Freund konnten sie wenig anfangen. Dass jetzt auch noch ein Kind dazukommt, war für die meisten zu viel. „Wir sind jetzt eigentlich allein“, sagt Selina.
Vorfreude
Selina freut sich darauf, Mutter zu werden: „Ich fühle mich bereit für diese Aufgabe.“ Einfach wird es sicher nicht werden, davon ist sie überzeugt. Dennoch spürt sie deutlich: „Irgendwie geht es immer weiter.“ Zur Zeit ist ihre größte Sorge, ob das Kind gesund ist.
Rat und Hilfe
Hilfe für Schwangere in Not gibt es in allen Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen der Diözese Linz. Auskunft: Referat Ehe u. Familie, Kapuzinerstraße 84, 4020 Linz, Tel. 0732/76 10 35 11 oder 0732/77 36 76.