Vielleicht geht es Ihnen so wie mir: ich blicke die letzten Tage schon etwas wehmütig auf das Datum. Nur mehr kurz steht das so vertraute 1000 in unserer Jahresangabe. Ab dem 1. Jänner 2000 beginnen wir – für die nächsten tausend Jahre – unsere Datumsangabe mit der Zahl 2 bzw. Zweitausend. Diese Nostalgie bezieht sich nur auf die Schreibweise, aber trotzdem: auch solche kleinen, eigentlich unbedeutenden Dinge gehören zum Alltag, und es fällt nicht ganz leicht, sich von Gewohntem zu trennen.
Aber man kann die Zeit noch anders betrachten, nicht nur als eine Ansammlung von Jahren. Das kommt sehr schön im Zusatz nach/vor Christi Geburt zum Ausdruck. Unsere offizielle Zeitrechnung hat demnach einen ganz bewusst gewählten Orientierungspunkt: Jesus Christus. Unsere Zeit wird, sobald wir ein Datum sagen, mit ihm in Beziehung gebracht!
Haben Sie schon einmal überlegt, wie eine Zeit, eine Welt auszusähe, deren Maßstab nicht Christus ist, sondern Hitlers Machtergreifung oder die Oktoberrevolution? So betrachtet wird uns vielleicht wieder bewusster, wie entscheidend Orientierungsgrößen sind – sie prägen und formen unser Denken, unser Handeln, unsere Werte, unser Leben – die Zeit.
Die „christliche“ Zeitrechnung ist im Jahr 525 entstanden. Der Mönch Dionysius Exiguus (der Kleine) wurde von Papst Johannes I. beauftragt, den Osterfestzyklus neu zu berechnen. Er benutzte dabei den Kalender des römischen Kaisers Diokletian. Der Mönch zögerte, die Jahre nach der Regierungszeit eines „gottlosen Christenverfolgers“ zu zählen. Er wählte eine neue Bezugsgröße – Jesus Christus – und begann die Zählung der Jahre ab Christi Geburt.
Das heutige Evangelium lässt die Entscheidung des Mönches Dionysius gut nachvollziehen. Mit beeindruckenden Worten wird hier Jesus nämlich gepriesen als Heil und Licht, das die Menschen erleuchtet. Diese Worte fassen die Erfahrungen mit dem Mann aus Nazaret zusammen und werden von Lukas wie ein Lebensmotto an den Beginn des Lebensweges Jesu gestellt. Sie bringen zum Ausdruck: In den Taten und Worten Jesu begegnete der Welt etwas ganz Neues, unerwartet Hoffnungsvolles. Mit Jesus begann eine neue Zeit – eine Heilszeit – für alle Menschen!
Lassen wir uns davon ermutigen und die uns gegebene Zeit so gestalten, dass darin die Menschlichkeit Jesu – Christus selbst – immer deutlicher erfahrbar und erkennbar wird: Die Zeit, die Jesu Namen trägt, soll seine Botschaft, seine Zuwendung, seine Hoffnung, seine Humanität – zumindest im Ansatz – widerspiegeln.