Alleinverdiener/innen müssen zwei Monate mehr arbeiten
Katholischer Familienverband macht auf Steuernachteile aufmerksam
Ausgabe: 2001/05, Alleinverdiener, Kath. FAmilienverband, Straßer
30.01.2001
- Matthäus Fellinger
Alleinverdiener/innen werden bei der Steuer krass benachteiligt – stellt der Katholische Familienverband Linz fest – und fordert eine Änderung des Steuerrechts.
Mehr als jede/r vierte Arbeitnehmer/in in Oberösterreich ist Alleinverdiener/in. Für den Finanzminister sind diese etwa 163.000 Personen recht lukrativ. Sie zahlen wesentlich mehr Steuern, als er von Familien bekommt, bei denen beide Erwerbsarbeit leisten.
Vielen bleibt keine Wahl
Anders herum: Alleinverdiener müssten um bis zu 7.000 Schilling brutto im Monat mehr für ihre Familie verdienen, damit sie netto das gleiche Gehalt bekommen wie eine Doppelverdiener-Familie. Besonders in Familien mit niedrigeren Einkommen kann ein Elternteil schon rein finanziell gesehen nicht länger bei den Kindern bleiben, sagt Dr. Karl Straßer vom Katholischen Familienverband der Diözese Linz. Im Blick auf die für das Jahr 2003 angekündigte neuerliche Steuerreform sucht er mit seiner Organisation Verbündete in diesem Anliegen. Das Steuerrecht nimmt keine Rücksicht darauf, wie viele Personen von einem Gehalt leben müssen. Die höhere Besteuerung größerer Einkommen sollte bei Alleinverdienern daher erst ab einem deutlich höheren Gehalt eintreten, meint Dr. Straßer. Dabei kommt es dem Familienverband keineswegs nur auf den Aspekt des Geldes an, vielmehr um die Frage, wie viel dem Staat die Familie auch ideell abseits von Lippenbekenntnissen wert ist.
Familienerhalter/innen sollten eine echte Wahlmöglichkeit haben – ob sie für die Kinder eine berufliche „Auszeit“ nehmen wollen oder ob sie durch Arbeitszeitteilung gemeinsam für Familie und Beruf da sein wollen. Bei den derzeitigen krassen Benachteiligungen einer dieser Formen können sich die Familien eine Wahl gar nicht leisten. Die finanziell lukrativen Jobs sind für die meisten überhaupt nicht zu erreichen. Der Großteil der Einkommen liegt nämlich unter 30.000 Schilling – und bis zu dieser Grenze sind die Nachteile besonders groß. Alleinverdiener zahlen gegenwärtig für das gleiche Nettoeinkommen den Gegenwert von zwei Monatsgehältern mehr an Steuer im Jahr. So sieht es das Steuerrecht vor. – Aber ist es auch gerecht? Eine Investition in Familien wäre eine wichtige Investition in die Zukunft, meint der Katholische Familienverband der Diözese Linz.
Zum Beispiel
>Familiengehälter im Vergleich
20.000 + 10.000 = 35.217 Verdienen in einer Familie beide Ehepartner, wobei ein Einkommen 20.000, das zweite 10.000 Schilling beträgt, kommt ein Nettobezug für die Familie von 22.913 Schilling heraus. Ein Alleinverdiener müsste nicht 30.000, sondern 35.217 Schilling verdienen, um dasselbe Nettogehalt zu bekommen. Im Jahr zahlt er 51.558 Schilling mehr Steuer!
30.000 + 20.000 = 57.187 Beträgt ein Einkommen 30.000, das zweite 20.000 Schilling, müsste ein Alleinverdiener 57.187 Schilling verdienen, um das gleiche Nettogehalt von 34.547 Schilling zu bekommen. Im Jahr zahlt er um 100.657 Schilling mehr Steuer.
30.000 + 10.000 = 47.020 Bei 30.000 plus 10.000 Schilling im Doppelverdienst müsste ein Alleinverdiener 47.020 Schilling verdienen, um das Nettogehalt von 28.350 Schilling zu bekommen. Steuerunterschied im Jahr: 69.375 Schilling. Alleinverdiener müssen also für dasselbe Geld rund zwei Monate gratis arbeiten.