Sie musste sich in der Vergangenheit nicht selten etwas mitleidig belächeln lassen, weil sie ihren Bedarf an Fleisch, Wurst, Käse und Gemüse schon seit Jahren beim Biobauern einkaufe, sagte mir kürzlich eine Hausfrau. Und – Hand aufs Herz – wer freute sich nicht, wenn er im Supermarkt ein Kilo Kaiserschnitzel um 90 Schilling ergattern konnte. Das Hemd ist einem eben oft eben näher als der Rock. Das belegen auch einschlägige Untersuchungen: 80 Prozent der Österreicher/innen sagen, dass sie bereit sind, für gesunde, umwelt- und tiergerecht erzeugte Nahrungsmittel mehr Geld auszugeben. Bei Blick in ihre Einkaufstaschen stellt man freilich fest, dass – trotz Angebot – nur zehn Prozent zur Biomilch oder einem Stück Fleisch aus biologischer Produktion gegriffen haben. Die Folge ist, dass sich für viele Bauern der biologische Landbau nicht rechnet, weil sie ihre Produkte nicht zum entsprechenden Preis verkaufen können. Diese Rechnung gilt übrigens auch für jene Bauern, die zwar nicht streng biologisch, aber doch naturnah und tiergerecht wirtschaften.
BSE-Krise und Schweineskandal sind auch eine Warnung an die Verbraucher. Durch ihr Kaufverhalten haben die allermeisten von ihnen dazu beigetragen, eine Landwirtschaft zu fördern, die möglichst billig produziert. Dass Agrarvermarkter ihnen dabei geholfen haben, das mit gutem Gewissen zu tun, ist auch einen Tatsache. Denn so manches „Qualitätssiegel“ klebt auch auf Produkten, die aus Massentierhaltungen, von kraftfuttergenährten Hochleistungskühen oder chemiebehandelten Feldern und Glashäusern stammten. Der Konsument hat eine riesige Verantwortung. Es muss aber auch klare Kriterien geben, an die er sich halten kann.