Franz Benezeder, geboren 1956, wurde 1982 zum Priester geweiht und ist seit 1988 Pfarrer in St. Georgen an der Gusen/OÖ.
Ausgabe: 2001/06, Kommentar zum Sonntag
06.02.2001
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Auffallend ist, dass bei Lukas, im Unterschied zu den Seligpreisungen bei Mathäus, den vier Seligpreisungen vier Wehrufe folgen. Sie sind hineingesprochen in die bedrängte Situation der ersten Christen. Die Adressaten sind die Jünger und, durch die breite Zuhörerschaft, auch die ganze Kirche. Die Jünger sind angesprochen als die Armen, die Hungernden, die Weinenden und Gehassten. Entgegen dem verbreiteten Missverständnis wird nicht ihre Situation als solche gepriesen, d. h. idealisiert. Die Preisungen sind auch nicht Lob für tadelloses moralisches Verhalten, sondern Zuspruch und Verheißung.
Jesus sagt ihnen, wenn ihr in meiner Nachfolge seid, müsst ihr auch gefasst sein auf Schmähung, üble Nachrede und Verfolgung. Ihr werdet auch Widerspruch erregen, aber ängstigt euch nicht. Jesus vertröstet auch nicht, sondern sagt ihnen zu: ihr seid nicht verlassen, ihr werdet auch nicht zu kurz kommen, ihr werdet auch viel erhalten. Ihr habt schon teil am Reich Gottes.
Die Wehrufe an die Anderen dürfen wir auch nicht verstehen als Androhung von Unheil. Sie sollen ihnen die Augen öffnen für die tiefere Wahrheit ihres Lebens. Jesus verwirft auch nicht Besitz grundsätzlich, sondern warnt vor falscher Sicherheit und davor, das Heil nur im Haben zu suchen. Sie sind Warnung an die scheinbar Satten und selbstsicher Lachenden. Worauf ihr setzt, vermag nicht den wahren Hunger der Seele zu stillen. Wehe, wenn ihr nur die Anerkennung und Ehre durch die Menschen sucht, sie sind sehr trügerisch und brüchig. Die Wahrheit ist bei jenen, die auf Gott setzen. Gott steht auf ihrer Seite.Vor Gott haben wir unzerstörbare Würde, er gibt sein Heil denen, die dafür offen sind. Es zeigt sich in innerem Frieden, in erfülltem Leben und in einem befreitem Lachen. Das Heil Gottes hat Bestand gegenüber allen Trends der Zeit, auch über dieses Leben hinaus. Es lässt sich nicht egoistisch für sich alleine besitzen, sondern verwirklicht sich in Beziehung zueinander und in der Hingabe des Lebens für das Reich Gottes.
Wenn wir in unserer Zeit und Gesellschaft unser Christsein ernst nehmen, werden wir auch nicht nur Zustimmung finden. Wenn wir uns auf die Seite der Schwachen und Ausgegrenzten stellen und die Stimme für sie ergreifen, werden wir auch Widerspruch ernten, ja bis zur Anfeindung. Wenn wir nicht alle Trends mitmachen , werden wir auch belächelt werden. Ein angepasstes Christentum, das nicht provoziert, wird aber bedeutungslos sein. Es braucht das Zeugnis, dass Gottes Verheißungen leben lassen, ja erfülltes Leben eröffnen.