Klein-Flori und Sabine hängen vor dem Bildschirm, und tauchen stundenlang ab. Für nichts anderes sind sie mehr zu haben – man kennt das.
„Kinder brauchen Medien“ – dies stellte über jeden (elterlichen) Zweifel erhaben der renommierte Familien- und Medienberater Dr. Jan-Uwe Rogge bei der Jubiläumsveranstaltung „50 Jahre Abteilung Medien der Diözese Linz“ fest. Stets auf Seiten der Kinder, hielt er den Erwachsenen humorige Spiegelbilder ihres Verhaltens vor. Er riet den Eltern das eigene Vorbild zu hinterfragen und zu mehr Gelassenheit in puncto Medien, zu einem offenen Umgang und zum Gespräch. Dann kommt es gar nicht dazu, dass Kinder heimlich (bei Freunden) fernsehen, Video schauen oder Computer spielen, und Eltern keinen Überblick haben. „Weil sie selber mit Rambo und Terminator nicht klar komme, suchen Erwachsene Sündenböcke, vor allem bei Vorfällen, die mit Gewalt zu tun haben!“, so Jan- Uwe Rogge. Dabei gehen Kinder selbstständiger und verantwortungsvoller mit den Medien um, als es Erwachsene wahrhaben wollen. Sie nähern sich Filmen mit eigenen Alltagserfahrungen und deuten Inhalte ihrem Verständnis gemäß. Allerdings sei es notwendig, die Kinder genau zu beobachten und sich auf ihre Bilder und Träume einzulassen. Was beschäftigt sie? Wie reagieren sie?
Ihre emotionale Betroffenheit ist eine andere, sie werden von anderen Aspekten berührt als die Großen. So machen jüngeren Kids realitätsbezogene Szenen wie Nachrichten, z. B. über Kriege, und oft auch Tierfilme, wo es um Fressen und Gefressen werden geht, sowie realistische Serien mehr Angst als „konstruierte“ Handlungen. Alarmstufe 1 ist es, wenn Kinder viel-sehen, nur um der Welt zu entfliehen. Da ist etwas nicht in Ordnung im Beziehungsumfeld. Kinder brauchen vor allem Freunde sowie natürliche Spielräume und -möglichkeiten. Rogge: „Besser als der beste Naturfilm über Ameisen ist noch immer z. B. eine Ameisenstraße zu bauen!“
Auch einmal Nein sagen
Das Tun am Computer braucht ebenfalls Begrenzung und Qualität des Spiels. Kinder finden schreckliche Computerspiele „bärenstark“, können aber moralische Missstände gut einordnen. Rogge: „Wenn wirklich übers Ziel geschossen wird, dann müssen Erwachsene klar, deutlich und authentisch sein und Nein sagen.“ Aus dieser Verantwortung kann sie niemand entlassen, das gilt auch fürs Fernsehen. Eine neue Qualität in der Beziehung sieht Rogge in der Computerwelt. Kinder können hier Lehrmeister sein: Der kleine Alexander erklärte der Oma den Umgang mit dem Internet. Nun ist sie oft online. Sie spielt auch gern mit ihm am Computer. „Sie gewinnt immer“, erzählt er und fügt großmütig hinzu: „Weil ich sie lasse. Früher hat sie mich beim ,Mensch-ärgere dich nicht’-Spiel auch gewinnen lassen.“
Tipps zum Medienkonsum:
Vom Fern-Hören und der Kuschelmama
- Kinder bis vier Jahre sollen nicht allein fernsehen; bis zum 8. Lebensjahr nehmen sie Inhalte punktuell wahr. Erst etwa ab elf Jahren können sie einem roten Faden richtig folgen. Eltern haben Aufgaben bei Auswahl und Begrenzung des Medienkonsums besonders bis zum 7. Lebensjahr, dann sollen Kinder mehr Mitspracherecht haben. - Am liebsten sehen Kinder mit Gleichaltrigen fern, da können sie sich locker unter ihresgleichen austauschen. An zweiter Stelle kommen Oma und Opa, weil sich diese mehr auf sie einlassen und Zeit haben, und meistens auch mehr erlauben. Papa ist noch geduldet, aber die Mama ist außer bei den ganz Kleinen, die sie zum Kuscheln brauchen, auf der Negativliste beim Mit-Fernsehen ganz oben, weil sie immer zu wissen glaubt, was richtig ist. - Kinder „hören“ fern, das heißt, sie sind über Geräusche sehr ansprechbar. Diese wirken neben den Ohren auf die Haut (schrille Töne) und die Knochen (helle und dunkle Töne) ein. - Für alte Menschen wird die zunehmende Automatisierung und Digitalisierung ein völliges Umlernen verlangen.