Franz Benezeder, geboren 1956, wurde 1982 zum Priester geweiht und ist seit 1988 Pfarrer in St. Georgen an der Gusen/OÖ.
Ausgabe: 2001/07, Kommentar
13.02.2001
Die Aufforderung zum Handeln bildet den Hauptteil der Feldrede bei Lukas. Feindesliebe und Barmherzigkeit zu leben sind wohl die größte Herausforderung und Zumutung an uns Christen.
Was tut ihr schon Gutes, wenn ihr nur die liebt, die euch zu Gesicht stehen, sagt Jesus und gibt uns damit einen anderen Maßstab vor. Sind wir nicht auch deswegen gut, um gut dazustehen und gelobt zu werden. Das heißt, wir tun Gutes auch aus Berechnung. Ich helfe dir, damit du mir hilfst. Die Goldene Regel Jesu, dem anderen zu tun, was du von ihm erwartest, meint wohl mehr. Wünschen wir uns nicht auch zutiefst von den anderen, dass sie uns Verständnis entgegenbringen und uns annehmen in unseren Schwächen und Versagen, d. h., dass sie barmherzig zu uns sind? Wie schwer fällt es uns selber!
Jesus am Kreuz gilt uns selber als Vorbild im Vergeben mit seinem „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“! Er zeigt uns einen anderen Weg, den Weg, der den Kreislauf von Aufrechnung, Vergeltung und Gewalt aufbricht. Er zeigt uns den Weg, der Versöhnung stiftet, Heilung ermöglicht, uns immer neue Chancen gibt. Jesus selbst zeigt uns, dass Vergeben nicht Schwäche ist, sondern ein Zeichen von Stärke. Das Gute, d.h. die Liebe muss unsere Antwort auf das Böse sein. Nur das Gute kann das Böse wirklich überwinden und verwandeln. Feindesliebe meint, den anderen gar nicht zum Feind werden zu lassen, ihm zu vermitteln: so kannst du mich nicht treffen. Ich nehme die Feindschaft des anderen gar nicht an und gebe ihm so keine Macht über mich.
Ich muss mir aber bewusst werden, dass Feindschaft wesentlich ein Problem in mir selber ist und ich zur Aussöhnung mit mir und in mir selber finden muss. Wer den Frieden in sich hat, kann gar nicht anders, als auch für den anderen den Frieden zu wollen.Dasselbe gilt für die Barmherzigkeit. Barmherzig zu sein, wie es der Vater ist, meint den Nachvollzug des Verhaltens Gottes. „Richtet nicht“, „verurteilt nicht“, „erlasst einander die Schuld“, sind Konkretisierungen von Barmherzigkeit. Und wenn ihr von Herzen gebt, wird es euch reichlich zurückkommen. An all dem soll erkennbar sein, dass wir zu Christus gehören. Der Anspruch Jesu wird uns selber immer wieder an unsere eigenen Grenzen führen. Wir sind also zuerst selbst angesprochen, uns immer neu vom Geist Jesu beseelen zu lassen, uns selber von der göttlichen Liebe verwandeln und heilen zu lassen. Als Töchter und Söhne Gottes haben wir teil an Gottes Leben und Liebe und werden so befähigt, einander die gleiche Liebe zu schenken, die Gott in Jesus Christus uns erwiesen hat.