Tausende bosnische Familien warten in Zelten und Containern auf die Rückkehr in ihre Häuser. Die Flüchtlingshilfe St. Georgen/Gusen versorgt mehrere dieser „Dörfer“ mit dem täglichen Brot.
Mehr als fünf Jahre sind es her, dass der Friedensvertrag von Dayton abgeschlossen wurde. Die Vereinbarung garantiert allen Bewohnern Bosniens die Rückkehr in ihre Heimatdörfer. Weil viele Häuser in Trümmern liegen oder noch von Serben bewohnt sind, die ebenfalls nicht wissen, wohin sie gehen sollen, sind die Rücksiedler gezwungen vor ihren Dörfern – in menschenunwürdigen Bedingungen – zu warten. Die Flüchtlingshilfe der Pfarre St. Georgen/Gusen versorgt seit September 2000 rund 500 Menschen in der Nähe von Prijedor mit Brot. Unterstützt von den Pfarren Stei-nerkirchen/Fischlham und Treffling werden monatlich fünf Tonnen Mehl finanziert. Ein Bäcker vor Ort bäckt das Brot und liefert es aus. In den Schulen werden serbische Kinder ebenso versorgt wie moslemische und kroatische. Die Flüchtlinge haben in den oö. Pfarren verlässliche Partner gefunden: „Nichts funktioniert in Bosnien, nur eure Brotlieferungen.“Der schönste Lohn für die Helfer ist, dass die Hälfte der ursprünglich betreuten Menschen sich bereits selbst ernähren kann. Dennoch kostet die Aktion die Flüchtlingshilfe monatlich rund 21.000 Schilling. Der Brotkorb für Prijedor war noch nie leer, freut sich Wolfgang Dedl von der Flüchtlingshilfe St. Georgen/Gusen dank der Hilfe vieler Gruppen. Unter anderem halfen die Schüler/innen der HAK/HASCH Perg kräftig mit. Dedl: „Die Vater-unser-Bitte „Unser tägliches Brot gib uns heute“ ist tief in das kollektive Bewusstsein eingebrannt – auch in den übersättigten Ländern Europas.“ Das Fronleichnamsfest trägt die Botschaft vom „Brot des Lebens“ und vom Teilen des Brotes aus den Kirchen auf die öffentlichen Plätze, so Dedl.
Konzert zum Flüchtlingstag
Den oö. Flüchtlingshelfern geht es bei ihren Aktionen nicht nur um Geld: „Wir möchten den Menschen in Bosnien auch eine Stimme geben.“ So findet in St. Georgen zum Weltflüchtlingstag ein Benefizkonzert der Gruppe „Bluatschink“ statt, bei dem auch Flüchtlinge zu Gast sind.
Benefizkonzert der Bluatschink am 20. Juni 2001 um 19.30 Uhr im Pfarrheim St. Georgen/G. Eintritt: S 150,– im Vorverkauf (Pfarrkanzlei), S 180,– Abendkassa, Jugendkarte S 60,-/90,-.