„Der Geschmack ist bei den Klosterprodukten mehr ausgeprägt als bei den Lebensmitteln im Supermarkt“, erklärt eine Einkäuferin das Besondere an den „geistlichen Schmankerln“.
Bereits zwei Stunden nach der Eröffnung des Marktes war das Brot der Benediktiner von Plankstetten in Bayern bis auf das letzte Semmerl ausverkauft. Vor der Käsevitrine des Klosters Schlierbach hieß es anstellen. Und auch die Mönche hinter den Zapfhähnen der Klosterbiere hatten nicht über Kundschaft zu klagen. Was natürlich Abt Martin Felhofer vom Stift Schlägl freute: „Die Menschen spüren, dass Ordensleute für beides stehen, was zu einem erfüllten Leben gehört: für die seelische Nahrung durch das Gebet und für die Sorge um den Leib.“ Der Markt zeige, dass in den Klöstern das maßvolle Genießen mit Leib und Seele seinen Platz habe und dass die Menschen gerne daran Anteil nehmen, so der Abt.
Was die Kundschaft in Reichersberg zum Schwärmen bringt, ist die Natürlichkeit der Produkte: Nicht nur beim Messwein – ganz allgemein hat man das Vertrauen, dass die Mönche Unverfälschtes und Natürliches anbieten, meint ein Gast und beißt herzhaft in eine Klosterwurst. Ein Paar, das sich im Klosterhof für die Radtour entlang des Inns stärkt, schätzt die ökologische Produktionsweise vieler Köstlichkeiten. Da stört auch nicht, dass manche Schmankerl nicht mit dem Etikett „light“ zu versehen sind. „Dafür ist es aber was Gscheit’s“, erklärt ein Kurgast aus Bad Füssing, dem das Kalorienzählen schon beim Hals heraushängt.
Wirtschaften in Harmonie
Für den Benediktiner Fr. Bruno aus Plankstetten ist die ökologische Bewirtschaftung des Klostergutes kein Anbiedern an den Zeitgeist: „Die Ökologie passt in den mönchischen Lebensrhythmus. Sie hilft uns, unsere Lebensweise so weit als möglich in Einklang mit Gottes Schöpfung zu bringen.
Der Rentmeister des Stiftes Reichersberg Werner Thanecker war für die Organisation der zwanzig Anbieter verantwortlich. Für ihn gehört zum Flair des Klostermarktes die Begegnungsmöglichkeit mit Ordensleuten fernab von Weihrauch und Glorie. Der rührige Wirtschafter verrrät auch das Erfolgsgeheimnise der Klosterschmankerl: „Ehrlichkeit, Natürlichkeit und Qualität.“ Was er verschweigt, ergänzt ein Pfarrer, der reichlich eingekauft hat: „Bei den Klosterprodukten schw-ingt auch etwas Numinoses mit“.