An diesem Sonntag kurz nach der Sommersonnenwende feiert unsere Kirche das Fest der Geburt Johannes’ des Täufers. Er hat sich verstanden als Wegbereiter für den Messias. Dessen Geburt feiern wir ein halbes Jahr später, nach der Wintersonnenwende, wenn die Tage wieder länger zu werden beginnen, wenn – symbolisch – das Licht wieder zunimmt. Denn Jesus – so betont Johannes – ist das Licht, das in die Welt kommt. Für dieses Licht legt er Zeugnis ab, auf dieses Licht, dem gegenüber er sich ganz unwürdig fühlt, weist er die Menschen hin.
Was mich an der Gestalt Johannes’ des Täufers beeindruckt, der in der Wüste am Jordan predigt und die Menschen zur Umkehr bewegt, der die gesellschaftlichen Missstände anprangert und auch den Lebenswandel des Königs kritisiert, ist seine Gerechtigkeit, seine Geradlinigkeit, sein Mut, Unrecht und Heuchelei beim Namen zu nennen, seine persönliche Lauterkeit und Glaubwürdigkeit. Trotz des hohen Ansehens, in dem dieser Mann aus der Wüste steht, bleibt er bescheiden. Keinesfalls will er selbst im Mittelpunkt stehen. Es geht ihm nicht um sein Ansehen, sondern um die gute Sache, um die Wahrheit, um das Kommen Gottes. Darin zeigt sich, „dass die Hand des Herrn mit ihm war und sein Geist stark wurde“, wie es im Evangelium heißt (Lk 1, 66).
Das ist eine große Sehnsucht des religiösen Menschen, dass Gottes Hand mit uns ist. Diese Sehnsucht meint den Wunsch, dass Gott uns behütet, damit uns nichts Schlimmes zustößt, dass bei allen Bedrohungen dieses Lebens Gottes schützende Hand mit uns ist. Diese Sehnsucht meint aber auch den Wunsch, dass Gott unser Tun leitet und zum Ziel führt, wenn wir uns für eine gute Sache einsetzen. Gott möge unser Tun segnen und unserem Bemühen zum Erfolg verhelfen, wenn wir uneigennützig sind, wenn wir versuchen, mutig für wichtige Anliegen einzutreten und Ungerechtigkeiten im täglichen Leben entgegenzutreten. Dafür ist auch die zweite Gabe, die Johannes den Täufer geprägt hat, wichtig: ein starker Geist; ein Geist, der erkennt, was recht ist, der mit Weisheit urteilt und der erkennt, worum es geht und worauf es ankommt. Es ist ein Zeichen für einen starken Geist in einem Menschen, wenn dieser trotz seines Ansehens, trotz seiner Erfolge, trotz seiner Verdienste nicht seine eigene Person in den Mittelpunkt stellt, sondern erkennen lässt, dass es ihm/ihr um die gute Sache geht.
Es gibt viele Menschen, an deren Leben erkennbar ist, dass Gottes Hand mit ihnen war und ihr Geist stark war. Und das Schöne ist, dass uns allen diese Zusage gilt. Wie ein roter Faden zieht sich die Botschaft durch die Bibel, dass Gott mit uns ist.
Günther Willi ist Jugend- und Jungscharseelsorger der Diözese Feldkirch.