Das Ringen um das gemeinsame Abendmahl zwischen Katholiken und Protestanten zog sich wie ein roter Faden durch den evangelischen Kirchentag.
Was jahrhundertelang als sichtbares Zeichen der Trennung zwischen Katholiken und Protestanten galt, wurde beim evangelischen Kirchentag in Frankfurt zum Symbol der Gemeinschaft: die Fronleichnamsprozession. Zwölftausend Gläubige waren gekommen – ein Großteil davon evangelische Christen – und empfingen den Segen mit dem Allerheiligsten. Unter dem „Himmel“ wurden neben der Monstranz auch die Bibel in der Übersetzung Martin Luthers, ein Kelch und ein Kreuz mitgetragen. Bei der ökumenischen Segensfeier verwies Helga Trösken, die evangelische Stadtpröpstin von Frankfurt, auch auf die Wunden der Trennung zwischen evangelischen und katholischen Christen: „Wir feiern gemeinsam, was heute gemeinsam möglich ist. Dennoch bleibt es ein Schmerz und ein Skandal, dass wir da am tiefsten getrennt sind, wo wir eins ein müssten.“ Die „reale Präsenz Jesu im gebrochenen Brot“ betonte Bischof Franz Kamphaus, der als Ortsbischof die Fronleichnamsprozession anführte. Er nahm zwar nicht ausdrücklich auf die vorangegangene Auseinandersetzung um das Feierabendmahl Bezug, seine Ablehung war aber unüberhörbar.
Zu viel an Anpassung
Der Gottesdienstvorschlag für die Abendmahlsfeier im Rahmen des Kirchentags sah eine freie Form der biblischen Einsetzungsworte vor und verwob Gottesdienst mit einem Sättigungsmahl. Heftige Proteste aus der evangelischen Kirche folgten und auch Bischof Kamphaus verbot den katholischen Christen, an diesen Feiern teilzunehmen. Kirchenpräsident Peter Steinacker sieht in dem geharnischten Bischofsbrief keine Irritation für die Ökumene, ganz im Gegenteil: „Wir sind dankbar für die klare Äußerung der katholischen Kirche.“ Bischof Kamphaus stellte beim Kirchentag aber auch klar, dass es wichtigere Themen als das gemeinsame Feierabendmahl gebe. So müssten die Kirchen heute Argumente zur Gewaltfreiheit bringen. Das klinge selbstverständlich, sei es aber nicht, so Kamphaus. Dennoch hat die Debatte das Verständnis des Abendmahls zu einem Thema des Kirchentags gemacht. Tausende Besucher drängten in eine Veranstaltungshalle, in der heftig darüber diskutiert wurde, was Protestanten am Abendmahl heilig ist. Das Abendmahl müsse redlich gestaltet werden, so dass es nicht Menschen in die Irre führt, betonte Präses Manfred Kock. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands forderte auch einen überlegten Umgang mit dem Brot und dem Wein, der beim Gottesdienst übrig bleibt: „Wer die Sache ehrt, muss auch mit den Elementen sorgfältig umgehen.“
Blick nach Berlin 2003
Elisabeth Raiser, die evangelische Präsidentin des ökumenischen Kirchentags in Berlin 2003, erklärte, dass man keinen Druck auf die katholische Kirche machen werde, ein ökumensiches Abendmahl zu feiern. Frischen Wind für die Ökumene erhofft sich Hans Joachim Meyer, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken von Berlin.