Jägerstätter: Jetzt entscheidet Rom über die Seligsprechung
Glaubenszeugen-Leserreise nach Berlin und Brandenburg
Ausgabe: 2001/25, Jägerstätter, Berlin, Reise
19.06.2001
- Matthäus Fellinger
Die diözesanen Erhebungen für eine mögliche Seligspre-chung von Franz Jägerstätter sind abgeschlossen. Am Donnerstag dieser Woche werden die Prozessunterlagen der römischen Instanz übergeben.
Als „Anwalt“ für die Seligsprechung von Franz Jägerstätter wird Dr. Adrea Ambrosi am Donnerstag nach Linz reisen, um die rund 750 Seiten starke versiegelte Dokumentation entgegenzunehmen. Darin sind alle beglaubigten Dokumente und Briefe enthalten, die für eine mögliche Seligsprechung des Innviertler Glaubenszeugen Franz Jägerstätter eine Rolle spielen könnten. Die noch lebenden Zeugen wurden noch einmal befragt, ihre beeideten Aussagen sind dokumentiert.Dr. Ambrosi betreut in Rom etliche Seligsprechungsprozesse aus den deutschsprachigen Diözesen, auch manche österreichischen Seligen der jüngeren Zeit sind von ihm durch die römischen Verfahren „geschleust“ worden.Die Untersuchungen in Linz sind im Auftrag von Bischof Maximilian Aichern drei Jahre lang von einer Kommission unter Leitung von Dr. Severin Lederhilger geführt worden. Die Seligsprechungsakte Jägerstätter liegt jetzt unter Verschluss. Von römischer Seite soll daraus die offizielle Biographie geschrieben werden. Von großer Bedeutung sind die von der Jägerstätter-Expertin Dr. Erna Putz veröffentlichten Gefängnisbriefe Jägerstätters. Es zeigt sich darin, dass er keinen einzigen Soldaten verurteilt, dass er aber selbst aus religiösen Gründen den Dienst in der Wehrmacht für den NS-Staat abgelehnt hat. Zum Dienst in der Sanität wäre er aus Nächstenliebe bereit gewesen, doch wurde dies immer abgelehnt. Dokumentiert ist auch das lange verschollen gewesene Todesurteil vom 6. Juli 1943, das erst am 7. Mai 1997 vom Landesgericht Berlin aufgehoben wurde. Am 9. August 1943 wurde Jägerstätter in Brandenburg enthauptet.Im Falle einer Seligsprechung würde Franz Jägerstätter als „seliger Ehemann“ gelten. Die schwierigen Gewissensfragen hat er stets mit seiner Familie abgesprochen. Er hat das Martyrium nicht gesucht, er sah vor seinem Gewissen keinen anderen Ausweg.
Glaubenszeugen-Leserreise
Von Mo., 24. bis Sa., 29. September 2001 veranstaltet die Kirchenzeitung eine Leserreise zu den Zeugen des Glaubens, des Widerstandes und der Menschlichkeit. Diese Spurensuche wird nach Berlin und Brandenburg im Gedenken an Franz Jägerstätter, P. Jakob Gapp, P. Franz Reinisch und P. August Wörndl führen, dann nach Breslau (Edith Stein und Dietrich Bonhoeffer), schließlich zum Schloss Kreisau in Schlesien(Helmuth und Freya Moltke).
Reiseleitung: Dr. Erna Putz, Prof. Manfred Scheuer und Mag. Walter Achleitner. Preis: ab S 6.880,–.Auskunft: Kirchenzeitung – Reiseservice, Tel. 0732/76 10-3963.