Gegen einen Chorherrn des Stiftes Reicherberg wird von der Staatsanwaltschaft wegen Verdachts auf Kindesmissbrauch ermittelt. Den Stein ins Rollen brachten Aussagen eines Ministrantenführers aus dem südlichen Niederösterreich, der von seinen einstigen Schützlingen wegen Missbrauchs angezeigt wurde. Der 45jährige Reichersberger Ordensmann verließ vor vier Jahren eine Pfarre in der Erzdiözese Wien und kehrte in das Stift zurück, weil es „Anschuldigungen und Vorwürfe gegeben habe“, wie Prälat Eberhard Vollnhofer erklärt: Es stand aber Aussage gegen Aussage und die Betroffenen machten auch keine Anzeige. Es war ein verworrener Fall, die Vorwürfe schienen unbegründet. Für ihn als Ordensoberen gab es weder einen Grund noch eine Handhabe weitere Schritte zu setzen. In den Innviertler Pfarren, in denen der Priester in den vergangenen Jahren tätig war, habe es keine Anschuldigungen gegeben, so Prälat Vollnhofer. Ganz im Gegenteil: Der beschuldigte Mitbruder wurde immer wieder als guter Prediger gelobt. Dass er innerhalb von vier Jahren in drei verschiedenen Innviertler Pfarren im Einsatz war, hat nichts mit den nun erhobenen Vorwürfen, sondern mit dem Priestermangel zu tun. Vollnhofer: „Wir versuchen, wo immer es geht, die Diözese mit Personal zu unterstützen.“ In Absprache mit der Diözese Linz wurde der beschuldigte Ordensmann mit 11. Oktober 2001 bis zur endgültigen Klärung der gegen ihn erhobenen Anschuldigungen, die sich auf die Tätigkeit in der Erzdiözese Wien beziehen, von allen Aufgaben in der Pfarre und im Stift beurlaubt.
Der Beschuldigte hält sich zur Zeit nicht in Österreich auf, so Vollnhofer: „Wir sind von den Anschuldigungen betroffen und werden unsere Verantwortung in allen Richtungen wahrnehmen.“ Das Stift werde, soweit wie möglich zur vollständigen und raschen Aufklärung der Vorwürfe beitragen, heißt es in einer Erklärung des Stiftes.