Das junge Leitungsteam der Winkler Märkte setzt die bisherige Haltung fort: Am Feiertag, dem 8. Dezember, ist geschlossen! Von links: Josef Franz Strutz, Maria Strutz-Winkler, Peter Winkler.
Am 8. Dezember haben viele Geschäfte geöffnet. Es gilt Weihnachts-Umsatz zu machen. Einige aber sagen Nein zum Umsatz-Sachzwang und halten geschlossen. Und ein kirchliches Lokal hat geöffnet. Warum?
Die Veritas-Buch- und Kunsthandlungen werden am 8. Dezember geschlossen haben. Mag. Manfred Christl erklärt die Beweggründe: „Kirchliche Feiertage sollen Feiertage bleiben! Ich sehe den 8. Dezember vor allem als Zeit zum Innehalten für unsere Mitarbeiter/innen, die für die Familie dasein wollen. Auch für die Kunden wäre das gut. Viele gehen jetzt so viel shoppen. Vielleicht wäre es gut für sie, auch einmal innezuhalten. Wir möchten ein Zeichen setzen im Advent.“Christl nennt als weitere Gründe, dass die Veritas sowohl ein religiöses Sortiment im Buchbereich als auch im Bereich der Devotionalien führt. Manche Mitarbeiter/innen sind kirchlich engagiert; auch Christl selbst war lange im Pfarrgemeinderat tätig. Vom entgangenen Umsatz her gesehen, tut das Zusperren schon weh, meint Christl. „Es ist ja ein Einkaufssamstag“. Damit hat er andere Erfahrungen wie der Winkler-Markt mit drei Standorten – in Linz-Auhof, Altenberg und Gramastetten. Auch nachdem der 8. Dezember zum großen Aufsperr-Tag geworden ist, bleiben die Winkler Märkte geschlossen. Der Umsatz leidet nicht darunter. Die Tage davor und danach sorgen für Ausgleich. Die Veritas hat den Einkaufstag auf den 24. November vorverlegt und mit um zehn Prozent ermäßigten Kripperlfiguren geworben. Das hat etwas gebracht, sagt Christl, aber einen Einkaufssamstag konnte es nicht ersetzen.
„Unsere Kundschaften sehen das positiv, erzählt der Senior-Chef der Fa. Winkler, Kommerzialrat Franz Winkler. „Denn der 8. Dezember ist Feiertag, schlicht und einfach.“ Seine „Jungen“ setzen die Tradition fort. Diese haben im jüngsten Prospekt erklärt: „Wir freuen uns immer wieder, wenn Sie kommen und danken Ihnen auch sehr herzlich. Wir bitten auch heuer wieder um Ihr Verständnis, dass unsere Märkte am Samstag, dem 8. Dezember, nicht geöffnet sind. So halten wir es an allen Sonn- und Feiertagen des Jahres. Die gemeinsamen freien Tage sind auch für die Familien unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wertvolle Feiertage.“ Als bei der Belegschaftsversammlung auch für heuer das wieder verlautet wurde, gab es Applaus.
Urbi@Orbi hat offen
Urbi@Orbi, die Informationsstelle der Katholischen Kirche im Linzer Atrium City, hat am 8. Dezembe geöffnet. Warum?, wollten wir wissen und baten Hans Gruber, Leiter der City-Pastoral und verantwortlich für „urbi@orbi“, um eine Stellungnahme.„Es ist das Ergebnis einer Diskussion. Die Alternativen waren: ein Plakat hinzuhängen mit der Aufschrift ‘Wir protestieren’ oder wenn wir schon in eine Verkaufsmeile eingemietet sind, anwesend zu sein mit einem Alternativprogramm. Wir haben uns für das Offenhalten entschieden.“Zu jeder vollen Stunde von 12 bis 15 Uhr werden Frauen Texte lesen, die eine Verbindung zu Maria haben. Dazwischen gibt es Gitarrenmusik. „Unser Motto heißt: Besinnen, statt kaufen.“ Auf den Einwand, ob das nicht eher ‘Besinnen und Kaufen’ heißen müsse, meint Gruber: „Für manche Leute ja, für manche Leute vielleicht Besinnen statt Kaufen.“
Aufsperren als Zeichen...
Die Kirche hat viel Energie auf die Rettung des 8. Dezember verwendet. Ist es nicht sonderbar, wenn die Kirche jetzt ihr Geschäft aufsperrt? – „Wir stehen einem unaufhaltbaren Trend gegenüber“, meint Gruber. „Die liebste Freizeitbeschäftigung der westlichen Welt ist das Einkaufen. Wir stehen einer ungeheuren Kaufwut gegenüber. Die Frage ist, was in diesem Trend gegen den Strom zu schwimmen heißt.“ Der Kampf um den 8. Dezember sei verloren. Bleibt die Frage, ob geschlossen zu halten nicht das bessere Zeichen wäre. – „Die Verweigerung alleine war uns zuwenig Zeichen. Wir wollen die, die kommen, zum Nachdenken bringen.“