Ausgabe: 2001/50, Adventwoche, LebensZeiten, Zum Kirchenjahr,
11.12.2001
- Matthäus Fellinger
Dritte Adventwoche – im Zeichen der Vorfreude
Freut euch! Lateinisch: Gaudete! Dieser Ruf hat dem dritten Adventsonntag den Namen gegeben. Die folgende Woche steht ganz im Zeichen des Erwarteten.
Selbst an den Werktagen ist in der dritten Adventwoche alles auf das Kommen des Messias abgestimmt. Ein Lobpreis für den, der kommen soll, kommt in den Texten und Gesängen der Messfeier an diesen Tagen zum Ausdruck. In das Lob mengt sich die Bitte: Komm doch wirklich! Denn so selbstverständlich ist es nicht, dass Gott in diese Welt kommt.
„Tauet, ihr Himmel, von oben“ lautet der Eröffnungsvers der sogenannten Rorate-Messen (Rorate bedeutet: Tauet!). Früher wurden diese in der dritten Adventwoche gefeiert, heute feiert man sie bereits zu Beginn des Advents. Auftauen – jemanden für eine Sache erwärmen, ein Herz zum Schmelzen bringen. Das steckt in diesem Loben und Flehen. In Zeiten der bitteren Winter und der Eiseskälte in ungeheizten Kirchen werden die Leute mehr gespürt haben, was „Tauen“ bedeutet. Wie die äußere Wetterlage in den letzten Jahrzehnten immer mehr ihre Konturen verliert, so gleichen sich die Erwartungshaltungen der Menschen immer mehr. Worauf sollte man denn schon warten? Es bleibt doch alles beim Alten.
Tauet, ihr Himmel. Die Erstarrung hat ein Ende. Das Leben kommt in Bewegung. Eine heilige Unruhe erfasst das Leben. „Heut ist der Himmel fließend word’n“, werden Christen im Weihnachtslied singen. Das Eis zum Schmelzen bringen. Das gehört in die adventliche Umkehr: Die Erstarrung in Beziehungen, die tödlichen Reaktionsmuster des unfruchtbaren Streites, sollen gelöst werden. Selbst – bei den gut Bekannten das Neue, Überraschende wahrzunehmen, das ist Umkehr.
Vorurteile gilt es anzutauen und aufzubrechen, damit das Gesicht eines Menschen wirklich frei sichtbar wird; Gewohnheiten gilt es auf ihre Lebenstauglichkeit hin zu prüfen. Nichts soll der Freude im Wege stehen. Es soll nicht werden, wie es damals war. Gott wurde Mensch, aber nur wenige haben ihn wahrgenommen.