„Die „Schuhputzerkinder“ waren im Freistädter Advent wieder im Einsatz – heuer schon das fünfte Jahr.
Sie setzten wiederum ein Zeichen der Solidarität über Kontinente hinweg. Die Schuhputz-Aktion ist inzwischen schon eine traditionelle Attraktion im vorweihnachtlichen Freistadt geworden. Diesmal rückten erstmals Mädchen und Burschen aus dem Polytechnischen Lehrgang bei oft klirrender Kälte mit Lappen, Creme und Bürste aus.
Sie putzten den Leuten gegen Spenden die Schuhe – auch wenn diese Tätigkeit sicher nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen von 14 und 15-Jährigen gehört. Carlito aus Nicaragua muss Schuhe putzen für seinen Lebens- und Existenzkampf ... Michi, Sonja, Gerald und Gregor, und noch weitere drei Zweiergruppen aus dem „Poly“ reinigten nach der Schule Passanten die Schuhe, damit Buben wie Carlito über die Aktion „Sei so frei“ der Kath. Männerbewegung in ihrer Heimat ebenfalls die Chance auf einen Schulbesuch haben.
Mit dem Erlös aus der Aktion in Freistadt werden Schulen in Nicaragua unterstützt – mit Lehrmittel, Heften, Bleistiften und nicht zu vergessen mit Fußbällen.Religionslehrerin Roswitha Kerschbaummayr war Initiatorin der Schuhputzaktion. Nun tritt sie in den Ruhestand. Mehr als 300.000 Schilling haben die Kinder unter ihren Fittichen erputzt. Im Lauf der Jahre waren insgesamt an die 100 Schüler/innen im Einsatz. Höhepunkt war, als die Schuhputzkinder aus der Hauptschule II Freistadt im Oktober mit dem Solidaritätspreis der Kirchenzeitung ausgezeichnet wurden.
Eine Schule fürs Leben
Nun übernahm Gottfried Schöberl, Religionslehrer an der Polytechnischen Schule Freistadt, die Fortführung der Schuhputz-Aktion, heuer noch in etwas schmälerer Form. Das Leben beim Schuhputzen einmal aus anderer Perspektive zu betrachten, ist auch eine Schule fürs Leben: Man hat Kontakt mit vielen Menschen. Die Schuhe putzenden Jugendlichen stießen fast durchwegs auf Entgegenkommen und Großzügigkeit.
Von 20 bis 100 Schilling reichten die Spenden. Auffällig viele nahmen sich heuer gar nicht die Zeit zum Stehenbleiben. Sie spendeten lieber gleich so.
Längst empfinden auch die Geschäftsleute die Schutzputzer/innen vor ihrer Tür als Bereicherung und überlassen ihnen gern ein geschütztes Plätzchen. Einige versorgten die jungen Leute mit heißem Tee.
„Wer nach Freistadt kommt, schaue den Leuten auf die Füße: Hier hat man die saubersten Schuhe weit und breit!“ so Roswitha Kerschbaummayr.
Die Klassensprecherin der 4 a der HS II Freistadt, Helene Freudenthaler, formulierte im Linzer Landhaus in ihrer Dankrede die Freude der „Schutzputzerkinder” über die Verleihung des Solidaritätspreises.
Die jugendlichen Preisträger/innen spendeten ihren Gewinn für Kriegskinder in Afghanistan. „Uns geht es so gut und die brauchen das Geld!“, erklärte Helene.