Friede beginnt in der Familie und im persönlichen Umfeld. Das hört man oft und nicht ohne Grund.
Sie streiten, kämpfen, raufen viel – die drei aufgeweckten Klaffenböck-Buben, wie das unter Geschwistern so üblich ist. Aber die Familie bemüht sich um Frieden. Das heißt für die Kinder: In einem Schutzklima der Geborgenheit an den Herausforderungen des Lebens wachsen, Kräfte messen, Konflikte fair austragen, Hinführung zu Wertschätzung von Mensch, Natur und Umwelt. „Frieden heißt für mich ,kein Krieg‘“, sagt der zwölfeinhalbjährige Gregor. „Kein Streit!“ meint der Raphael (10). Der fünfjährige Tobias holt etwas weiter aus: „Gleich T’schuldigung sagen, wenn ich jemanden hau!“
Woanders ist mehr Streit
Was sind im Alltag Streitpunkte unter den Brüdern? Kleinigkeiten. Wenn einer genau das haben möchte, was der andere gerade hat. Oder es geht darum, wer am Abend noch einmal aus dem Bett muss, um das Licht abzudrehen. Demokratische Abmachungen zu finden gelingt nicht immer. Die Buben sind aber konsequent am Üben. „In anderen Familien wird mehr gestritten. Es gibt Kinder, die kriegen Watschen!“, hat Gregor beobachtet und ist froh, in seiner Familie zu leben – auf einem Bio-Bauernhof in Piberbach im oberösterreichischen Kremstal. Die rüstigen Großeltern wohnen im selben Haus.
Zu Hause sollte man nicht so viel über Kleinigkeiten streiten, man sollte sich lieber vertragen, denn es kann sich alles Glück schnell ändern! Victoria Haunschmidt (11)
Zwölf Kinder, davon acht Buben, gibt es im Dorf. Immer wieder entstehen wie im richtigen Leben Revierkämpfe, z. B. beim Lager- und Labyrinthbauen, beim Fußballmatch oder beim „Räuber und Gendarm“-Spiel. Oft steht Gregors gegen Raphaels Gruppe. Die Kinder lösen Probleme weitgehend allein. In schwierigen Fällen sind die Eltern als vermittelnde Schiedsrichter gefragt. „Kampf, Jagd- und Sammeltrieb, das steckt im Menschen“, meint Vater Erwin, Bio-Bauer und Kabarettist. Er sieht es als seine Aufgabe, Energien und Kräfte zu steuern und in richtige Bahnen zu lenken. Das passiert neben dem Spiel auch durch Sporteln, aber vor allem durch das Vorleben menschenwürdiger Werthaltungen, zum Beispiel durch Solidarität und Verantwortung für andere. Mit der vorübergehenden Aufnahme einer bosnischen Familie setzte die Familie ein Zeichen. „Ich versuche den Kindern Zusammenhänge zwischen Mensch und Natur näher zu bringen!“, formuliert der Vater ein ihm wichtiges Anliegen. Dies geht nicht so nebenbei und ist ein langer Prozess, auf den sie sich einlassen.
Lange Diskussionen
Mit seiner Frau Maria, einer Ehe- und Familienberaterin, ist sich Erwin Klaffenböck einig: „Kinder brauchen sehr viel Zeit. Es ist notwendig Prioritäten zu setzen und mit Aufmerksamkeit hinzuhören auf die Lebens- und Empfindungswelt der Kinder.“
Friede in der Schule heißt für mich, auch Ausländer so zu akzeptieren wie sie sind und diese Mitschüler nicht auszuspotten. Friede ist gerade in der Schule wichtig, denn ohne Friede keine Freunde. Verena Hauser (11)
Zur Achtung vor Mensch und Umwelt gehört im weiten Sinn auch ein maßvoller und verantwortlicher Umgang mit den Dingen – und damit Ordnung halten und Aufräumen. „Da hapert es bei den Buben öfters“, beschönigt die Mutter nichts, „zum Beispiel, wenn es um das Aufklauben von Plastikgeschossen geht.“ Spielzeugwaffen sind nämlich sehr beliebt bei den Buben. „So was kommt mir nie ins Haus!“, war die Vorstellung der gebürtigen Salzburgerin. Die Buben bauten sich selber Ritterrüs-tungen und Waffen. Inzwischen kauften sie sich nach langen Diskussionen mit den Eltern von ihrem hart ersparten Taschengeld Spielzeug-Guns. Es gibt aber Regeln: Auf Menschen wird nicht gezielt (das gilt auch für Computerspiele) – und nicht nur, weil „verirrte Kugeln“ blaue Flecken hinterlassen, was selbst die „wilden“ Buben schockte.
Verständnis wecken
Die Eltern reagieren bewusst auf alles, was die Kinder beschäftigt und was sie „mit nach Hause“ bringen. Sie hören ihnen zu und respektieren ihre Meinung. Dies stärkt das Selbstbewusstsein, weitet den Blick und das Verständnis für andere und lässt den Sinn für Gerechtigkeit wachsen.Etwa kam bei Gregor in der Schule das Thema Sklaverei zur Sprache. Zuhause wurde darüber geredet; dies ermöglichte den Blick auf die heutigen globalen Zusammenhänge. Auch aktuelle Ereignisse wie in Afghanistan sind immer wieder Thema in der Familie. „Krieg kann entstehen, wenn einer glaubt, er ist der Bessere und der Stärkere. Das ist bei den großen Religionen genauso wie in der Schule“, machen sich Gregor und Raphael ihre Gedanken. Oft zeigt sich ganz unvermutet, dass die Eltern mit ihrer Erziehung richtig liegen. Gregor (das bedeutet der „Wachsame“, wie die Mutter weiß) hat ein gutes Gespür für am Rand Stehende. „Außenseiter gibt es in jeder Klasse. Immer brauchen sie einen zum Sekkieren!“, mischt sich Raphael ins Gespräch. Gregor überlegt sich in so einem Fall Lösungsstrategien und zieht diese auch durch, etwa mit dem Klassensprecher.