Die Hochblüte russischer Ikonenmalerei ist mit drei Namen verbunden: Theophanes der Grieche, Andrej Rubljow und Dionysius. Sie malten „Fenster der Ewigkeit“ an der Grenze vom Diesseits zum Jenseits.
„Dieses Luftlicht, dieser Dunsthauch, wie es die russischen Ikonenmaler nannten, macht erst die Atmosphäre eines Bildes aus“ – so beschreiben Experten die Ikonen des Mönchs Andrej Rubljow (geboren um 1360). Rubljow gilt auch als „Vater der russischen Ikonenmalerei“. Ikonen sind uns nicht gänzlich fremd, dennoch fehlt uns oft der spontane Zugang zu dieser in der Ostkirche weit verbreiteten Kunst.
„Ikonen strahlen etwas aus vom göttlichen Glanz, lassen uns teilhaben an jenem ,Licht, das in die Welt kam‘, erklärt Dr. Adolf Trawöger, Spiritual des Linzer Priesterseminars. Trawöger führt den Gedanken vom Licht weiter fort: „Damit wir durch seinen Anblick selber Licht werden.“ Zur Zeit des frühen Christentums wurde jedes religiöse Bild – Mosaik, Fresko oder Tafelbild – als Ikone (griechisch: eikón) bezeichnet. Heute versteht man darunter das religiöse Kultbild der Ostkirche.
„Trotz aller Bewegtheit der Linien, vor allem auf Ikonen der späteren Zeit, haftet den Figuren etwas Starres, Unnahbares an. Die dargestellte Person ist gleichzeitig bestürzend gegenwärtig und entrückt, mit den Sinnen greifbar und doch unbegreiflich – ein Mysterium“, beschreibt Trawöger die Faszination von Ikonen.
Als „Fenster der Ewigkeit“ werden Ikonen bezeichnet. Sie sind gemalte Frömmigkeit und bildhafte Verkündigung. Unlösbar sind mit ihnen Verehrung und Glaube verbunden. „Für den, der an sie glaubt und sie verehrt, stehen sie auf der Grenze zwischen dieser und der jenseitigen Welt. In ihnen ist etwas von der ewigen Kraft des Dargestellten anwesend, das in diese unsere Welt hineinwirkt“, so beschreibt Trawöger die religiöse Dimension dieser ostkirchlichen Kunst.
Die Ikonenmalerei kennt kein Licht, das von außen auf Gesichter, Gewänder, Gegenstände fällt. Die Ikone leuchtet vielmehr aus sich selbst, strahlt von innen heraus. Eine ausgefeilte Maltechnik und ein Perspektivenwechsel, bei dem die Fluchtpunkte wie Strahlen aus der Unendlichkeit auf den Betrachter zukommen, macht dies möglich.
Die Ikonenausstellung im Linzer Schlossmuseum trägt den Titel „Ich bin das Licht der Welt“. Sie zeigt rekonstruierte Freskenmalereien und Ikonen aus dem Andrej -Rubljow-Museum in Moskau. Die Schätze russisch-orthodoxer Kirchenkunst aus dem 14. bis 16. Jahrhundert werden in Österreich nur in Linz Station machen. Ikonen als „Fenster zur Ewigkeit“ in Anlehnung daran schreibt der russische Maler Wassily Kandinsky: „Es ist, wie wenn man in eine Straße, die man immer nur vom Fenster beobachtet hat, selbst hineingeht.“
Ausstellung des Staatlichen Museums „Andrej Rubljow“ im Linzer Schlossmuseum, 19. Dezember bis 24. Februar; Tel. 0732/77 44 19-31.Service: Die Kirchenzeitung bietet gemeinsam mit dem „Kunstbaukasten“-Team eine Führung an. Termin: 1. Februar. Nähere Infos folgen zeitgerecht!