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Mit allen die Geschenke des Ordenslebens teilen

2. Februar: Tag der Ordensleute – erster Höhepunkt im „Jahr der Berufung“
Ausgabe: 2002/05, Berufung, Ordensleute, Tag der Ordensleute, Mary Johnson, USA
29.01.2002
Den Menschen helfen, dass sie ihre persönliche Berufung im Leben entdecken: Für Sr. Mary Johnson ist das einer der wichtigsten Dienste, den die Kirche anbieten kann. Die Kirchenzeitung sprach mit der US-amerikanischen Nonne über den Beitrag der Orden zum „Jahr der Berufung“.

Sie gelten international als Expertin in Berufungspastoral. Welchen Beitrag könnenOrdensleute dafür leisten?

Johnson:
Aufgrund unserer Studie in den USA über junge erwachsene Katholiken, also Gefirmte im Alter zwischen 20 und 39, ergibt sich eine klare Frage: Wie kann sich das Leben der Kirche nach ihnen ausstrecken, um gemeinsam einen völlig neuen Weg zu finden, der das Evangelium ins Leben bringt.

So möchte ich Ihre Frage etwas umformulieren: Wie können Ordensleute Brücken bauen zu jungen Erwachsenen? Was sind die Geschenke des Ordenslebens und wie können wir sie mit allen jungen Erwachsenen teilen? Das ist ein Dienst, den alle Ordensleute anbieten können. Und umgekehrt gilt es auch darauf zu hören, was junge Erwachsene uns zu sagen haben. Einige werden sich für den Weg des Ordenslebens entscheiden. Doch die meisten von ihnen werden weitergehen in vielen verschiedenen wunderbaren Berufungen.

Wir sind müde der Gespräche, müde der Dokumente. Was wir brauchen sind konkrete Schritte und Initiativen der Orden, um diese Brücken zu bauen.

Wie sehen Ihrer Meinung nach diese Initiativen aus?

Johnson:
Ja, für mich ist die Erfahrung großer Pfarren in den USA interessant, die den Schwerpunkt ihrer pastoralen Arbeit auf die Gruppe der 20- bis 39-Jährigen gelegt haben. Sie haben eine Seelsorge für junge Erwachsene aufgebaut, trainieren ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter speziell für den Einsatz in dieser Altersgruppe. In eine Pfarre außerhalb von New York City beispielsweise kommen jeden Sonntag 2000 junge Erwachsene zum Gottesdienst. Sie fahren oft viele Meilen, weil sie in dieser Liturgie etwas erleben, das sie anspricht. Die Messe ist voll von jungen Menschen. Wenn sie nach vorne schauen, dann sehen sie junge Messdiener, Sänger, Lektoren und Kommunionhelfer. Und nach der Messe treffen sich junge Menschen. Diese Altersgruppe fühlt sind nicht mehr länger unsichtbar in der Kirche. Andere Pfarren gibt es, die keine Versuche oder Initiativen unternehmen. Sie geben vor, keine Generationenunterschiede zu haben. Sie können diese auch nicht einmal sehen, weil sie zu müde sind oder weil es zu beschwerlich ist.

Die erste Empfehlung Ihrer Studie spricht deshalb auch von einer vorrangigen Option für junge erwachsene Katholiken.

Johnson:
Ja, zunächst einmal sollte anerkannt werden, dass es auch in der Kirche Generationenunterschiede gibt. Dass es weiters einige Generationen gibt, deren Bedürfnisse nicht entsprechend beantwortet werden, ja diese Menschen nicht erreicht werden. Und daraus sind die Konsequenzen zu ziehen.

Berufungspastoral ist für Sie also weiter gefasst, als nur die Zahl der Priester- und Ordensberufe zu erhöhen?

Johnson:
Es geht um die verschiedenen Wege des Lebens in der Kirche und wie wir helfen können, damit Menschen entdecken, worin ihre Berufung im Leben liegt. Das ist für mich einer der wichtigsten geistlichen Dienste der Kirche.

Als Ordensfrau heißt es daher: welche Geschenke bringt das Ordensleben, und wie können wir diese mit allen jungen Menschen teilen? Auch wenn es „nur“ darum geht, entschiedener und bewusster zu leben. Zum Beispiel unsere Erfahrungen mit dem Gelübde der Armut: Das hat beispielsweise viel zu tun mit der Diskussion über Globalisierung.

Sie sprechen erstaunlicherweise nicht über negative Trends im Ordensleben in den USA?

Johnson:
Seit 21 Jahren höre ich immer nur, dass wir weniger werden. Das hat psychologisch einen sehr negativen Effekt auf uns. Für mich ist das „selbsterfüllende Prophezeiung“: wenn man etwas als abnehmend bezeichnet, dann wird es mit Sicherheit abnehmen. Betrachte ich jedoch die Entwicklung seit Gründung unserer Kongregation, dann sind wir zahlenmäßig groß und hat sich die Zahl der Mitglieder vervielfacht. Ich glaube, wir haben uns selber mit Zahlen und Statistiken umgebracht. Wir müssen aus dieser Sackgasse wieder herauskommen. Schauen wir darauf: Was haben wir bekommen, wo liegen unsere Stärken und wie können wir sie besser mit anderen teilen. Und alle jungen Leute können zumindest diese Werte in ihrem Leben umsetzen. Das wäre ein großer Dienst für die Kirche in der Welt. Ich glaube, daraus werden wir neue Kraft schöpfen können, neue Ideen und ein neues Leben.


ZUR PERSON


Managerin, 24, sucht Gemeinschaft


Als sich Mary Johnson 1981 den Schwestern von Notre Dame de Namur anschloss, hatte sie ein Studium abgeschlossen und zwei Jahre als Managerin in der Wirtschaft gearbeitet. 21 Jahre später sagt die Soziologin und Religionswissenschafterin an der Universität Emmanuel in Boston auf die Frage, ob ihr Lebensweg typisch sei für „Berufungen“: „Ja, ganz bestimmt. Auch wenn Neueintritte mit 24 jung sind. In der Regel sind sie heute Mitte 30. Sie bringen viele verschiedene Erfahrungen aus Arbeitswelt und Familie mit. Sie kommen mit sehr klaren Vorstellungen. Was fast alle suchen, steht ganz im Gegensatz zur gesellschaftlichen Entwicklung: sie suchen ein sehr reiches Gemeinschaftsleben.“ Für ihre Studien über Berufungen für das Priesteramt in der Kirche der USA wurde Sr. Mary von der Berufungskonferenz im Jahr 2000 mit dem „National Harvest Award“ ausgezeichnet.

Ordensleute bauen Brücken zu jungen Erwachsenen.

Interview: Walter Achleitner
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