Katholische Jungschar motiviert Erwachsene: Horcht hin auf die Kinder
Ausgabe: 2002/05, Eltern, Jungschar, Kinder,
29.01.2002
- Maria Haunschmidt
Die Jahresaktion der Katholischen Jungschar heißt „Freies Ohr für Kinder.“ Sie begann bereits im Herbst und soll keine Eintagsfliege bleiben, sondern weitergehen.
Gemeint ist: wachsam sein gegenüber Kindern. Sie werden mit ihren Anliegen und Bedürfnissen nach Liebe, Zuwendung und Lebensorientierung in der lauten, leistungsorientierten Welt der Großen oft überhört. Dieses Hinhören und Eingehen auf die Kinder ist ein vertiefter Schwerpunkt der Kath. Jungschar, der mit 140.000 Mädchen und Buben größten Kinderorganisation Österreichs. „Bei der Jungschar machen wir ,superne’ Sachen und der Gruppenleiter hört uns zu, wenn wir was sagen“, erzählen Michael und Bernhard. Die Aktion der Kath. Jungschar „Freies Ohr für Kinder“ begann damit, dass zum Tag der Kinderrechte im Herbst Bischöfe und Politiker symbolisch Wattestäbchen überreicht bekamen – nicht weil sie verstopfte Ohren haben, sondern als Hinweis: Horcht mehr auf uns Kinder und respektiert unsere Meinung.
Das Einüben in die Achtsamkeit gegenüber Kindern ist ein langer Prozess: Das heißt, sich auf ihre Lebens- und Empfindungswelt einzulassen. Das braucht Zeit und Auseinandersetzung, viele Erklärungen, wenn die Kinder klein sind und später oft mühsame Diskussionen und Abmachungen. Es meint jedenfalls alles andere als das oft übliche Überhäufen mit Konsumgütern. „Zeit müssen sich heutige Eltern bewusst nehmen“, so Christoph Malzer, Öffentlichkeitsarbeits-Referent der KJS der Diözese Linz und ausgebildeter HS-Lehrer, früher selber Jungscharkind und viele Jahre Gruppenleiter. Als solcher erlebte er oft Kinder, denen daheim niemand das „Ohr lieh“. „Mitreden“, so Christoph Malzer, fängt in der Familie bei den ganz alltäglichen Fragen an, wie: „Was soll es zu essen geben?“ oder: „Was machen wir am Sonntag?“.
Ein wertvoller Schritt zurück
Die Medienerziehung sieht er als gutes Beispiel dafür, es richtig zu machen: Anstatt das kleine Kind vor das TV-Gerät „abzuschieben“, um Ruhe zu haben, lieber gemeinsam fernsehen und dann darüber reden. „Der Schritt zurück für Erwachsene und die Frage: ,Warum reagiert das Kind so, was beschäftigt es?’, kann einem selber viel geben!“
Erwachsene erfahren in der Auseinandersetzung eine Menge über „coole Mode“, Computerspiele, den Musikgeschmack und was in der Schule läuft. Partnerschaftlicher Umgang und altersgerechte Einübung in Eigenverantwortung, Mitsprache und auch Mithilfe mit klaren, nicht überfordernden Regeln macht Kinder fit fürs Leben.
Zur Sache:
Tagebuch einer Neunjährigen
- Die Nachbarn haben eingeladen. Mama sagt: „Das sind doch so nette Menschen.“ Ich werde an nette Menschen denken, wenn ich im Bett liege. - Papa geht zum Computerkurs, „denn es ist wichtig, dass man sich auskennt in der heutigen Zeit“, sagt er. Mama möchte bügeln. Hausarbeit muss auch gemacht werden. Ich werde, wenn ich im Bett liege, daran denken. - Heute ist ein wichtiger Vortrag. Mama darf nicht fehlen. Es geht um das Thema: Schädlingsbekämpfung in Taiwan. Papa ist müde vom Arbeiten und möchte schlafen. Vielleicht ist Taiwan gleich nebenan. - Wichtiger Vortrag im Bildungswerk über das Thema „Das Gespräch mit den Kindern“. Mama und Papa meinen, sie dürfen dabei nicht fehlen. Auch daran werde ich im Bett denken. - Über das Gespräch mit Kindern haben Mama und Papa viel Gedrucktes mit heim gebracht. Das wollen sie heute Abend lesen. Ich soll dabei nicht stören.
Nach einer Geschichte von Willi Hoffsümmer, Kurzgeschichten 2, Matthias-Grünewald-Verlag.