Nicht nur die wirtschaftliche Not macht in Kolumbien tausende Kinder zu Soldaten. Diesen Missbrauch macht die im Land herrschende „Kultur der Gewalt“ erst möglich.Deshalb arbeiten die Jesuiten an der „Kultur des Friedens“.
„Über 7000 Kinder stehen in Verbindung mit einer der bewaffneten Gruppen“, schätzt Juan Carlos Henao die Zahl der Kindersoldaten in Kolumbien. Selbst für den Mitautor einer Studie über die Situation von Kindern in Kolumbien ist es unmöglich zu sagen, wie viele Kinder nun tatsächlich bei linken Guerillagruppen oder rechten Paramilitärs unter Waffen stehen. Nur eine Zahl ist todsicher: im vergangenen Jahr „waren vier von zehn getöteten Subversiven jünger als 18 Jahre“ – das waren 600 Kinder. Und dabei gibt es keinen Zweifel: einige waren auch jünger als 15 Jahre. Zu den Hauptursachen zählt Henao die ausweglose wirtschaftliche Lage der meisten Familien auf dem Land: „Oft wird den Familien versprochen, dass sie für ihr kämpfendes Kind 110 bis 220 E pro Monat erhalten.“ In Konfliktzonen des südamerikanischen Staates werden Familien sogar gezwungen, in Form einer „Abgabe“ ihren Beitrag zu leisten: „dabei zwingt man Kinder vielfach gegen ihren Willen“, schildert Henao. Eingesetzt werden Kinder vor allem in der Aufklärung. Sie dienen als Spione, Boten, menschliche Schutzschilde oder eben auch als Kämpfer. Laut einer Studie unter Kolumbiens Kindersoldaten haben bereits 60 Prozent von ihnen erlebt, wie jemand umgebracht wurde; zwei von zehn haben schon selbst getötet. Und jeder dritte war bereits verwundet.
Kinder als Kriegsstatisten
Neben den 7000 Kindern als Soldaten macht der Mitarbeiter des Friedensprogramms der Jesuiten auf einen weiteren Missbrauch von Minderjährigen aufmerksam: „Es schmerzt sehr zu sehen, wie Kinder zu Komparsen des Krieges gemacht werden.“ Denn in jüngster Zeit werde sowohl das Schicksal hunderttausender Flüchtlingskinder als auch Bilder kindlicher oder jugendlicher Gewaltopfer besonders von Medien benutzt, um noch mehr öffentliche Zustimmung für den Krieg zu gewinnen. Der „Kultur der Gewalt“, die sich seit vier Jahrzehnten in Kolumbien ausbreitet, entgegnen die Jesuiten mit der „Kultur des Friedens“. „Wir sind in unterschiedlichsten Formen der Friedenserziehung tätig“, berichtet Juan Carlos Henao. Eines der Projekte widmet sich besonders den Kindersoldaten aus dem „Valle del Cauca“, das nun mit der „Aktion Volltreffer“ unterstützt wird.
KiZ-Links
- www.kindersoldaten.de.Fakten und Hintergründe bietet die Kinderhilfsorganisation terre des hommes Deutschland.