Ein Kunstprojekt positioniert Kunst im Uni-Alltag – an allen Ecken und Enden des Hauses
Ausgabe: 2002/14, Kunstobjekt, KTU, Kath. Privatuniversität, Kunst, Uni,
02.04.2002
- Elisabeth Leitner
„Wo ist die Ausstellung?“, fragen Kunstinteressierte an der Pforte der KTU. Eine weiß es genau: die Reinigungskraft. Sie stößt in ihrer Arbeit täglich auf die im Haus verteilten Kunstobjekte.
Seit dem Wintersemester 2000 sind halbjährlich Künstlerinnen und Künstler eingeladen, ihre Werke an der Kath.-Theol. Privatuniversität (KTU) zu präsentieren. Dahinter steckt die Idee, „Kunst als Diskussionspartner in den alltäglichen Umgang an der Universität zu integrieren“. Unterschiedlich sind die Reaktionen auf dieses Kunstprojekt „Kunst im Vorbeigehen“. Die großformatigen Bilder von Lorenz Estermann führten zwar auch zu Diskussionen, aber erst die jüngste Präsentation erregte die Gemüter an der KTU.Die Künstlerin Andrea Pesendorfer, die in Schallerbach gemeinsam mit Christian Bartel die Werktagskapelle gestaltete, stellt auf der KTU „Hemdkleid-Figurinen“ aus.
Betrachtet man ihre Werke (nur) im Vorbeigehen, bleiben wesentliche Details ungesehen. Denn ihre Hemdkleider haben einen aufwändigen Entstehungsprozess: Das von einem Modell getragene Kleidungsstück wird zunächst fotografiert, das Foto wird auf Stoff gedruckt, ausgeschnitten und zusammengenäht. Der Betrachter sieht z. B. einen Frauenkörper in einem Hemdkleid, auf dem ein nackter, männlicher Körper abgebildet ist. „Was hat denn das noch mit Kunst zu tun?“, lauten die kritischen Stimmen. Kein Wunder, dass Pesendorfers Kunst aufregt: Nacktheit ist eben ein heikles Thema.
Die Intention der Künstlerin geht in eine andere Richtung: „Mir geht es um das Einfrieren von Bewegung, den Abdruck einer verschwundenen Person, das Bild als Hinweis für das Abwesende“, erklärt die in Gmunden geborene Künstlerin, die in Wien lebt und bis zum Ende des Sommersemesters ihre Werke in Linz zeigt.
Kunstgespräch mit A. Pesendorfer: Do., 25. April, 18 Uhr an der KTU.