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„So nah wie möglich“

Zwei Lebensmittelmärkte im Oberen Mühlviertel als Pioniere im Land
Ausgabe: 2002/20, Lebensmittelmärkte, Mühlviertel, Land, Bauern, Märkte;
14.05.2002
- Ernst Gansinger
„Bei allen Diskussionen um die Nahversorgung und die Wichtigkeit eines Kaufmannes vor Ort ist es letztlich der Konsument, der darüber entscheidet, ob es den Nahversorger ‚ums Eck’ auch weiterhin gibt.“

Auf diesen Punkt bringt die Diskussion um die Nahversorgung der Gremialobmann des oö. Lebensmittelhandels, Johannes Jetschgo. „Bei der Sicherung der Nahversorgung geht es nicht nur um die Existenz der Kaufleute, sondern mit der funktionierenden örtlichen Gemeinschaft um das Wirtschaftsleben allgemein ...“ Um den Nahversorgern unter die Arme zu greifen, unterstützt das Land Oberösterreich seit 1993 gemeinsam mit der Wirtschaftskammer die Nahversorger-Imagekampagne. Vor wenigen Wochen lief eine neue Plakataktion an.
Jetschgo weiß als Geschäftsführer eines Spar-Marktes in Sarleinsbach, dass es aber auch sehr stark auf die Kreativität und Kundennähe des Kaufmannes ankommt. Gemeinsam mit Johann Wöbers Nah & Frisch Markt in Aigen setzt er deshalb eine für Oberösterreich neue Idee in die Tat um – Direktvermarktung im Lebensmittelgeschäft in einer eigenen „Bauernecke“. In der Steiermark hat man damit schon viele positive Erfahrungen gemacht.In der Region Sarleinsbach und Aigen im Mühlkreis sind Bauern und die beiden genannten Märkte Partner. Am 16. Mai 2002 startet die Direktvermarktung im Supermarkt. Zwei Vereine – „Jetschgos Bauernecke“ und „Wöbers Bauernecke“ sind die organisatorische Struktur dazu. Den beiden Kaufleuten ist die Feststellung wichtig: „Wir sind keine lose Kooperation, bei der der Kaufmann je nach Belieben bei Bauern zukauft und diese bloße Lieferanten sind.“ Nein, Partnerschaft ist das tragende Element.
In den Vereinen sind jeweils ca. 20 Bauern Mitglieder, wobei es regionale Verschiedenheiten gibt. Denn die Ware soll vom Bauern nebenan kommen. Die Lieferwege werden damit kurz und man weiß, was man kauft.
Der Kaufmann ist so nicht der alleinige Gewinner dieser Partnerschaft. Die Bauern ersparen sich eine eigene Verkaufs-Infrastruktur und profitieren davon, dass die Märkte lange fixe Öffnungszeiten haben. Die Kunden können bäuerliche Produkte aus der engeren Umgebung an einer zentralen Stelle kaufen. Sie ersparen sich auch viele Einkaufskilometer.




Bauernecke




Zur Sache

Wenn die beiden Märkte – Jetschgo in Sarleinsbach und Wöber in Aigen im Mühlkreis – vom 16. bis 18. Mai die Eröffnung der „Bauernecken“ feiern, werden die Kunden diese Argumente häufig hören:

Diese Partnerschaft zwischen Lebensmittelmarkt und Bauern der Umgebung bringt den Konsumenten den Vorteil eines breiten Angebotes an regionalen biologischen Produkten vor Ort. Sie können Produktion und Herkunft der Waren nachvollziehen; es entsteht eine regionale Identifikation.
Der Betrieb seinerseits kann sich gegenüber Mitbewerbern einzigartig positionieren. Er erweitert sein Produktangebot, spricht neue Kunden an, steigert Umsatz und andere Geschäftsdaten, gewinnt an Image.
Die Bauern können neue Geschäftsfelder aufbauen, nutzen die bestehende Infrastruktur der Märkte und verringern so Investitionskosten der Direktvermarktung. Sie erreichen neue Kundenschichten, was sich auch auf den Ab-Hof-Verkauf günstig auswirkt, und profitieren von den längeren Öffnungszeiten der Märkte gegenüber der Selbstvermarktung. Auch die Region hat Vorteile: Wirtschaftliche Kreisläufe werden aufgebaut, die Wertschöpfung bleibt in der Region, Arbeitsplätze werden gesichert. Die Umweltbelastung ist wegen der kurzen Transportwege gering. Das alles trägt dazu bei, dass die Region attraktiv ist und die Menschen nicht abwandern.
Das Modell aus Sarleinsbach und Aigen/Mkr. kann Vorbild für eine fortschreitende Partnerschaft zwischen Lebensmittelhandel und Landwirtschaft sein.
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