Konsumenten bestimmen, ob sie „Egalstrom“ oder Ökostrom beziehen
Strom hat kein Mascherl. Aber die Konsumenten können ihm eins geben: Ein grünes zum Beispiel.
Was ist grüner Strom? Dass die Antwort darauf nicht einfach ist, hat Mag. Heidi Adensam vom Österreichischen Ökologie-Institut deutlich gemacht. Sie lud die Teilnehmer/innen an der Informationsveranstaltung „Mit Ökostrom gegen den Strom schwimmen“ am 16. Mai 2002 in Puchberg zu einem gedanklichen Streifzug in die Welt der unterschiedlichsten Etikettierungen und Kennzeichnungen ein.
Dass es in der Hand der Konsument/innen liegt, in der jungen Welt des liberalisierten Strommarktes bewusst Strom einzukaufen und so einen Beitrag für die Erhaltung einer intakten Umwelt zu leisten, machte Mag. Ulfert Höhne von der Öko-Strom AG deutlich. Und Dipl.-Ing. Heinrich Wilk von der Energie AG verwies auf mehrere Öko-Strom-Projekte im Bundesland (Photovoltaik, Windkraft, Biogasanlagen ...). Er brach eine Lanze für Strom aus Wasserkraft (70 Prozent des in Österreich erzeugten Stroms).
Ökostrom
Mag. Heidi Adensam verwies auf das ElWOG (Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz). Dieses verwendet den Begriff „erneuerbare Energie“ als Oberbegriff für Wasserkraft und Ökostrom. Das Gesetz sieht eine besondere Förderung dieser erneuerbaren Energie vor. Als Ökostrom gilt Strom, der aus Biomasse, Biogas, Deponie- und Klärgas, geothermischer Energie, Wind und Sonne gewonnen wird. Auch Strom aus Kleinwasserkraftwerken kann in den meisten Fällen als Ökostrom betrachtet werden.
Ökostandard-Labels
Im Informationsdschungel gibt es Leuchttürme zur Orientierung – die Ökostandard-Labels. Mit ihnen werden einerseits Produkte, andererseits Stromlieferanten gekennzeichnet. Das strengste Label in Österreich ist der „Überwachungsvertrag arsenal“. Dieses Händlerlabel (wie es etwa die Fa. Ökostrom AG hat) besagt, dass der Stromlieferant weder Strom aus Kernkraftwerken noch aus fossilen Energieträgern und bei Wasserkraft nur Strom aus Kleinwasserkraftwerken (unter 10 Megawatt Leistung) erzeugt bzw. handelt. Darüber hinaus gibt es noch das Österreichische Umweltzeichen Grüner Strom und TÜV Österreich. Ökostromkunden sollten sich vorher sehr gut informieren, wie das Angebot eines Händlers ausschaut. Die großen österreichischen Strom-Unternehmen haben in den von ihnen verkauften Strommengen zwischen 3 (KELAG) und 17 Prozent (EVN) Atomstromanteile (Zukauf aus dem Ausland). „Der Konsument steuert mit seiner Nachfrage die Rentabilität der Kraftwerke und damit das Strom-Angebot“, sagte Mag. Höhne. Der Umstieg auf Ökostrom sei leicht. Die Kilowattstunde kostet einheitlich E 0,181. Ein Anmeldeformular ist auszufüllen und die letzte Stromrechnung mitzuschicken. In etwa 10 bis 12 Wochen ist der Umstieg vollzogen. Derzeit versorgt die Ökostrom AG, Österreichs einziger bundesweiter Ökostrom-Lieferant, etwa 2200 Kunden. 50.000 Haushalte könnten versorgt werden. Mit steigender Nachfrage würde auch das Angebot wachsen.
Es braucht Vorreiter
Es braucht Vorreiter, sagte Mag. Höhne einem Diskutanten, der sich von der Politik enttäuscht zeigte, weil sie den Ökostrom zu wenig fördert und Atomstromzukauf, etwa aus der Slowakei, erlaubt. Die kleinen Konsumenten seien zu schwach, sich gegen die Wirtschaftsinteressen der Großkunden (Preisfrage) durchzusetzen. – Nur Vorreiter, entgegnete Höhne, können mit moralischem Gewicht von der Politik oder aber auch von der Kirche entsprechende Handlungen einmahnen. Wie steht es etwa um die Schöpfungsverantwortung in der Kirche am Beispiel Strombezug?
In Vezovatá Pláne in Südböhmen entsteht ein Solar-Schulungszentrum
Ein tschechischer Bürgermeister leistet Pionierarbeit für eine sonnige statt einer „strahlenden“ ZukunftVezovatá Pláne, eine kleine, 110 Leute zählende südböhmische Ortschaft, zwischen Kaplitz und Krumau gelegen, hat mit Josef Mach einen Bürgermeister, der mit dem AKW Temelin nichts zu tun haben will. Ihn hat der Sandler Lehrer und Aktivist für eine atomstromfreie Zukunft, Bernhard Riepl, kennen gelernt, als er – in der Warteschleife auf eine Lehreranstellung in Österreich – einige Jahre in Südböhmen arbeitete. Riepl unterstützte Mach in seinem Anliegen, die Energieversorgung der Gemeinde auf eigene Füße zu stellen. Er stellte auch den Kontakt zum Linzer Energiekostenberater und Konsulent für Umwelt, Ludwig Eidenhammer, her (siehe auch Seite 7). Vezovatá Pláne soll Energie-Selbstversorger werden (Energie sparen, Windenergie, thermische Solaranlage, Photovoltaikanlage, Biomasseheizung). Darüber hinaus entsteht ein Solarschulungszentrum im kleinen Dorf.
Denk-doch-Mal
In Tschechien besteht ein riesiger Mangel an Fachwissen. So werden Ölheizungen und Elektroheizungen in Neubauten bevorzugt. Im Schulungszentrum sollen u. a. Lehrer/innen, Installateure und interessierte Menschen mit der Solarenergie vertraut gemacht werden. Vezovatá Pláne lebt vor, wie sich Energie sparen lässt und alternative Energiegewinnung möglich ist – es ist, wie Eidenhammer sagt, ein Denk-doch-Mal. Das Zentrum bietet 80 Personen Platz, in einem nahen Beherbergungsbetrieb können etwa 30 Personen nächtigen.
Bürgermeister Mach, von Beruf Landwirt, ist überzeugt: Tschechien braucht das AKW Temelin nicht (Tschechien ist ein großer Stromexporteur). Der Strom aus Temelin ist zudem gefährlich und ökonomisch unsinnig. Dass ihn manche Leute deswegen beschimpfen, stört ihn wenig. Angst, nicht wieder gewählt zu werden, hat er auch nicht. Er ist eben von der Sache überzeugt.Zum Weiterlesen: www.eidenhammer.at/neu