„Nur in den seltensten Fällen ist Unglück verschuldet oder Glück ausschließlich eigenes Verdienst.“ Diesen Satz gab die prominente Schriftstellerin Anna Mitgutsch bei der Solidaritätspreis-Verleihung der Kirchenzeitungs letzten Mittwoch der Festversammlung zu bedenken. Der Abend im Landhaus wurde zu einem beeindruckenden Fest der Solidarität. Neun von insgesamt 215 eingereichten Gruppen und Personen nahmen aus den Händen von Bischof Maximilian Aichern, Landeshauptmann Josef Pühringer und Soziallandesrat Josef Ackerl Solidaritätspreise entgegen. Der Preis ist zu einer festen Größe in Bundesland Oberösterreich geworden. „Wir können gar nicht genug tun, dass solche Kräfte gestärkt werden“, würdigte Bischof Aichern die Ausgezeichneten. Wie wichtig eine Grundeinstellung der Solidarität ist, zeigte die Entscheidung des belgischen Parlaments. Dort wurde vor wenigen Tagen die „Sterbehilfe“ beschlossen.
Eine Sache des Respekts
Die Solidaritätspreise 2002 der Kirchenzeitung wurden verliehen
Musikschüler/innen aus Neuhofen/Krems spielten bei der Solidaritätspreisverleihung 2002 groß auf. Den Ton gaben aber Menschen an, die sonst eher im Stillen wirken: die Preisträger/innen.
Rund 300 Gäste füllten den Steinernen Saal im Landhaus, um die neun Gruppen und Einzelpersonen zu feiern, die an diesem 15. Mai den Solidaritätspreis 2002 der Kirchenzeitung überreicht bekamen. Bischof Maximilian Aichern, Landeshauptmann Josef Pühringer und Landesrat Josef Ackerl überreichten nicht nur die Geldsumme – insgesamt 9.999,– Euro, sie brachten auch den Dank der Kirche und des Landes für Leistungen der Preisträger/innen zum Ausdruck. Mit Bundesrats-Präsidentin Uta Pühringer und Minister Wilhelm Molterer war auch bundespolitische Prominenz beim Festakt.
Am 47. Jahrestag der Wiedererlangung der Freiheit Österreichs und am 111. Jahrestag der ersten Sozialenzyklika von Papst Leo XIII. hat das Datum der Preisverleihung Symbolcharakter. Der Preis dokumentiert das gute soziale Netz in Oberösterreich. Und so waren die Preisträger/innen zusammen mit allen Festgästen auch eingeladen zum festlichen Buffet des Landes Oberösterreich. Dass Solidarität politischen Rückhalt braucht, wurde in den Grußworten betont.
Die prominente Schriftstellerin Anna Mitgutsch hielt die Festrede. Nicht Gefühle und Sympathie, wohl aber Gerechtigkeit und Respekt kann von allen Menschen erwartet werden, damit ein fairer Ausgleich der Ungerechtigkeit auf dieser Welt möglich wird.
Die Preisträger/innen (siehe auch KIZ Nr. 20) werden in den nächsten Monaten in ausführlichen Einzelreportagen vorgestellt. Es sind dies: Elke Kastner, Haag; Josef Parzer, Gampern; Dr. Erna Putz, Ostermiething; Konrad Rohrhofer, Linz; das Jugend-Projekt „Sprache verbindet“ aus Amstetten; der „Flower Power – Schatztruhe Regenwald-Club“ aus Luftenberg; das Team vom Hof Tollet; die Bewohner/innenvertretung von St. Pius/Steegen und der Verein RIFA in Ried/Ikr.
Wir spüren die große Verpflichtung, dass Gott durch seine Menschwerdung allen solidarisch geworden ist. Solidarität heute ist der Baustein für die Welt von morgen. Bischof Maximilian Aichern
Ich bedanke mich bei den Preisträgern, dass Sie in einer Zeit der politischen Auseinandersetzung um den richtigen Weg für alle Menschen bemüht sind und Bekennermut zeigen. Soziallandesrat Josef Ackerl
100 % Gerechtigkeit werden wir nicht schaffen. Wir müssen ständig wissen, dass die erste Priorität den Schwächeren gelten muss. Der Starke kann sich selbst eher helfen. Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer
Ohne Liebeszwang
Zur Sache
Die Schriftstellerin Anna Mitgutsch hielt die Festansprache zum Solidaritätspreis 2002. Ein Auszug:Die Forderung nach ethischem, gerechtem Handeln lässt unsere Gefühle aus dem Spiel, denen als Handlungsbasis nicht zu trauen ist.
Es ist befreiend, wenn ich jene, die verkörpern, was mir entweder widerstrebt oder was mir unverständlich ist, jene, mit denen mich nichts verbindet, die mir fremd und räumlich weit entfernt sind, nicht unbedingt als Vorbedingung zu meinem solidarischen Handeln lieben muss. Habe ich positive Gefühle von Zuneigung, Sympathie und Mitleid, umso besser. Aber wichtig ist, wie ich handle, nur Handlungen haben Konsequenzen, Gefühle sind flüchtig, sie kommen und gehen. Gerechtes Handeln dagegen wäre eine bleibende Basis für eine gerechtere Welt. Wenn ich davon ausgehe, dass das, worauf ich Anspruch erhebe und was mir zusteht, auch für andere Gültigkeit und Berechtigung hat, dann wird das Prinzip der Nächstenliebe in ein Handlungsprinzip umgesetzt. Wenn ich will, dass mir Gerechtigkeit widerfährt, dann muss auch mein Handeln so sein, dass auch die Grundrechte und die Menschenwürde der anderen jenseits meines Interessenkreises gewahrt bleiben. Ein solches Handeln unterscheidet sich von der Wohltätigkeit, der nicht selten ein selbstgerechtes Element der Überheblichkeit anhaftet. Wortlaut: www.kirchenzeitung.at