Christian Muthspiel spielt Posaune und Klavier, komponiert und dirigiert. Mit „Harmonices Mundi“ (Klangwolke) und dem Konzert „Alt trifft Neu“ ist Muthspiel beim Linzer Brucknerfest präsent.
Die Stimme der zeitgenössischen Musik scheint im Konzertsaal unterzugehen. Welches Konzept verfolgen sie, um der Musik unserer Zeit Gehör zu verschaffen? Muthspiel: Neue Musik kann nur dann die Menschen erreichen, wenn sie mit derselben Qualität, Ernsthaftigkeit und Überzeugung dargeboten wird wie andere Programme. Sehr wichtig erscheint mir, alle Möglichkeiten des besseren Zugangs zum Publikum, des Erreichens der Herzen der Zuhörer/innen, auszuschöpfen, also kommunikativ zu sein. Daher werden meine Konzerte immer moderiert, beinhalten Gespräche und Informationen und sind inhaltlich logisch und nachvollziehbar programmiert.
Nicht der Dirigent ist der Star, sondern der Komponist – so Ihre Aussage. Das Dilemma der Klassik ist das Fehlen der Stars. Das Klassikpublikum ist im Schwinden. Ihre Analyse? Muthspiel: Starkult ist immer ungesund, wenn es um tief gehende, komplexe Inhalte wie in der konzertanten Musik geht. Dass das Klassikpublikum nicht mehr unendlich zu steigern ist (auch der CD-Verkauf bricht zusammen), halte ich für eine logische, auch ganz gesunde Entwicklung, die aufmerksam macht auf die heutige Situation. In absoluten Zahlen übrigens gab es noch nie so viele Konzertbesucher, vor allem zeitgenössischer Musik, wie heute. Man darf nicht vergessen, daß es eine Vervielfachung des Angebotes gibt. Zusätzlich ist zu spüren, dass viele Säle einfach zu groß, zu herrschaftlich, am Ziel der Musikvermittlung vorbei gebaut wurden. Hier stimmen die Verhältnisse nicht mehr, das Publikum ist vielfältiger, auch reifer geworden.
Was steckt hinter dem Konzept „Alt trifft Neu“? Muthspiel: Die Geschichte, die Tradition, die Entwicklung der Kunst über die Jahrhunderte ist ein wunderbarer Schatz, der uns bereichert. Aus diesem Schatz schöpfend nach vorne zu blicken bedeutet „alt trifft auf neu“. Im konkreten Fall ist zum Beispiel Strawinskys Liebe zum Jazz auch in seinem Werk spürbar und hat mit mir und meinem Requiem zu tun. Alles sollte so zusammenhängen und Querverbindungen sollten hörbar werden.
Das Interview führte Elisabeth Leitner
Für das Konzert am 17. 9., 19.30 Uhr im Brucknerhaus mit Camerata Salzburg, Clemens Hagen, Benjamin Schmid und Christian Muthspiel verlosen wir 5 x 2 Karten. Kennwort: Alt trifft Neu! (Bitte Telefonnummer angeben).