St. Johann gibt pensionierten Ordensschwestern neuen Lebensraum
Ausgabe: 2005/18, St. Johann, Gemeinde, Ordensschwestern, Franziskanerorden, Haidinger
04.05.2005
- Christian Ortner
Es ist ein bisher einzigartiges Experiment: Zwei Schwestern des Franziskanerordens übersiedeln in der Pension in den Pfarrhof in St. Johann/Walde. Sie wollen für die Menschen der Pfarrgemeinde da sein.
Wenn Franziskanerinnen in den Ruhestand gehen, bedeutet das im Normalfall die Rückkehr ins Mutterhaus nach Vöcklabruck. Für Sr. Imma Haidinger und Sr. Barbara Höglinger gilt das nicht. Sie haben mit Anfang Mai ihre Tätigkeit im Krankenhaus St. Josef in Braunau beendet und leben seither im Pfarrhof St. Johann am Walde.
„Leben in der Pfarre“
Die beiden Ordensschwestern sind die ersten und bisher einzigen Vertreterinnen eines Projekts, das auf einer Idee von Generaloberin Sr. Kunigunde Fürst basiert. „Leben in der Pfarre“ heißt das einfache, aber aussagekräftige Motto. „Das Ganze ist aus der Geschichte des Ordens entstanden“, erzählt die Generaloberin. „Wir hatten in der Vergangenheit so viele Rückzüge aus den Pfarren.“ Genau dort könnten die Schwestern aber viel bewirken.Der Pfarrprovisor von St. Johann, Dechant Kurt Leitner, erfuhr im Herbst 2004 von dem Projekt und nahm nach Rücksprache mit Bischofsvikar Josef Ahammer Kontakt zu Sr. Kunigunde auf. Rasch wurde das Modell verwirklicht, und so konnten Sr. Imma und Sr. Barbara vergangenen Samstag offiziell ihre neue Fünf-Zimmer-Wohnung im Pfarrhof beziehen. Zuvor wurden sie bei einem Sendungsgottesdienst der Bevölkerung und dem Pfarrgemeinderat vorgestellt. Leitner: „Sie sollen das Gefühl haben, gebraucht zu werden.“„Die Menschen hier haben uns wohlwollend und mit großem Vertrauen aufgenommen“, sagt Sr. Barbara. Und welche Aufgaben erwarten die beiden in „Saiga Hans“, wie der Ort von den Einheimischen genannt wird? „Wir haben nichts Konkretes übernommen, wollen offen sein, den Menschen begegnen und in der Gemeinde mitleben“, meint Sr. Imma, die nach wie vor zum Hospiz nach Braunau fahren wird. Laut Sr. Kunigunde gibt es inzwischen neue Interessentinnen für das Projekt. In Zukunft könnten also mehr Franziskanerinnen am „Leben in der Pfarre“ teilhaben.