Linzer Bischöfe Schwarz und Aichern mit Pro Oriente zu Gast in Serbien
Ausgabe: 2005/42, Bischof Maximilian Aichern, Bischof Ludwig Schwarz, Schwarz, Aichern, Belgrad, Sozialwort, Pavle I.
20.10.2005
- Matthäus Fellinger
Der serbisch-orthodoxe Patriarch Pavle empfängt in Belgrad die Linzer Bischöfe Ludwig Schwarz und Maximilian Aichern. Letzterer stellte an der orthodoxen Fakultät von Belgrad das Sozialwort der christlichen Kirchen Österreichs vor. Zwei Ereignisse von außergewöhnlichem Charakter.
Wie sich die christlichen Kirchen in Österreich in den gesellschaftlichen Dialog einbringen, war für die Professoren und Würdenträger der serbisch-orthodoxen Kirche am 10. Oktober in Belgrad von höchstem Interesse. In Serbien gesteht die Politik der Kirche nur liturgische und geistliche Dinge zu. Ansonsten möge sie ruhig sein.
Anlässlich eines von Pro Oriente Linz organisierten Besuches einer Delegation mit Bischof Schwarz und Altbischof Aichern konnten sich die Reiseteilnehmer von einer äußerst positiven Entwicklung in den letzten Jahren überzeugen.
In Serbien entfaltet sich eine fruchtbare Ökumene. Zwei Namen stehen dafür: der katholische Erzbischof von Belgrad, Stanislav Hocevar und der orthodoxe Bischof von Novi Sad, Irenej. Und auch das greise Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche Patriarch Pavle I. steht hinter den Bemühungen: Wenn die Kirchen sich Gott zuwenden, können sie zu mehr Gemeinsamkeit finden und menschlicher werden, sagt Pavle. „Wir brauchen Frieden, wir brauchen Gerechtigkeit und Freiheit für alle“, betonte er.
Gemeinsam mit der Jugend
Erzbischof Hocevar, Vorsitzender der Bischofskonferenz für Serbien und Montenegro, will vor allem das Vertrauen unter den Konfessionen stärken. Neben seiner Bischofskirche führen Mitglieder der Fokolar-Bewegung einen katholischen Kindergarten. Die Kinder selbst stammen aus orthodoxen Familien. Vertrauen wird so grundgelegt.Am Sonntag zuvor haben sich Jugendliche verschiedener Kirchen im Rahmen einer Initiative für Frieden getroffen. Gemeinsam versuchen nun die katholische und die orthodoxe Kirche für die Jugend etwas zu tun. Die meisten Menschen sind arm, aber materielle Armut ist nicht das größte Problem, sagt Caritas-Koordinator Daniel Galun. Wichtig sei es, Menschen eine positive Zukunftsperspektive zu geben und den Willen zu stärken. So sind gemeinsame ökumenische Jugendtreffen geplant. Im Caritas-Haus ist auch das Beratungszentrum SPES untergebracht. Zwei Ordensschwestern, Sr. Daniela und Sr. Emmanuela, erzählen von der Arbeit, wie die Alten und Kranken von hier aus betreut werden. Alte Menschen sind in einer sehr schlimmen Lage. Die Schwestern würdigen die Zusammenarbeit mit der orthodoxen Kirche. Auch hier wächst das Empfinden, dass Kirche mehr als Liturgie ist. Unter dem Namen „Philanthropia“ gibt es nun ein eigenes orthodoxes Hilfswerk.
Erzbischof Hocevar drückt ein breites Empfinden der serbischen Bevölkerung aus, dass nämlich Serbien und auch die serbischen Katholiken im Westen zu wenig Verständnis fänden. Die positiven Entwicklungen im Land hätten mehr Beachtung verdient, meint er.
ZUR SACHE
Minderheiten
„Unsere Leute sind in einer zweifachen Minderheit“, erklärt Erzbischof Stanislav Hocevar. Eine halbe Million Katholiken gibt es in Serbien, die meisten in der Vojvodina im Norden – in der Diözese Subotica. Die Erzdiözese Belgrad selbst hat nur rund 10.000 Katholiken, betreut von 25 Seelsorgern.
Die Katholiken gehören zumeist auch nationalen Minderheiten an: Kroaten und – im Norden – vor allem Ungarn. Serben im engeren Sinne sind nur selten katholisch. Dass man die Religionszugehörigkeit von der ethnischen Nationalität her getrennt sieht, ist eine wichtige Voraussetzung für die Ökumene. Die Kirchen sind nicht der verlängerte Arm der Politik.
Ausbildung
Dass die katholische Kirche in Serbien selbst einmal ihre Priester ausbilden kann, ist ein großes Ziel des Vorsitzenden der serbisch-montenegrinischen Bischofskonferenz. Zur Zeit ist das Studium nur im Ausland möglich. Ohne Unterstützung aus dem Ausland ist das Projekt nicht zu verwirklichen.
Ökumene
Die ökumenischen Bemühungen der letzten Jahre finden auch auf höchster Ebene statt. Bereits zweimal haben die katholischen Bischöfe und der Heilige Synod der orthodoxen Kirche gemeinsam getagt.